Zufall

Dem Zufall kommt in der Philosophie eine zwiespältige Rolle zu. Einerseits ist er allgegenwärtig. Überall wo es etwas zu erklären gibt, wo Fragen und Probleme dem Verstehen im Weg stehen, ist er beispielsweise als fehlendes Wissen gegenwärtig (epistemischer Zufall) oder als Unterbestimmtheit der zu erkennenden Sache selbst (ontologischer Zufall). Andererseits ist er aber gerade dasjenige, das es zu überwinden und auszumerzen gilt. Wir suchen nach Gründen und Erklärungen, um unser fehlendes Wissen und das Unter- bzw. noch nicht Bestimmte von uns fern zu halten. Dies gilt selbst noch in der postmodernen Gegenwart, in der der Zufall zwar als etwas eigenständiges Anerkennung findet, jedoch nur zum Preis einer Passivität und Äußerlichkeit, die wir ihm gegenüber einnehmen müssen: Was unerklärt oder gar unerklärlich ist, ist und bleibt uns fremd, ganz gleich wie oft und auf welche Weise wir seine Existenz betonen.

Dieser Themenblock ist angelegt, verschiedene Aspekte des Phänomens Zufall zu besprechen. Zentral dafür ist, dass sich der Zufall in vielen verschiedenen Kontexten in je anderer Gestalt zeigt und dabei wieder andere Bezeichnungen erhält (etwa Kontingenz, Glück, Schicksal, Möglichkeit, Irrationalität). So spielt er eine ebenso wichtige Rolle in der Debatte um Willensfreiheit wie in der Quantenmechanik, in religiösen Fragen um Vorsehung wie bei Gottesbeweisen.

Diese Vielfalt versuchen wir in dieser Rubrik abzudecken. In den Beiträgen sollen sowohl ontologische, moralische, handlungstheoretische, aber auch historische, künstlerische und religiöse Aspekte des Zufalls philosophisch erörtert werden. Anregungen sowie Beiträge oder Vorschläge zu Themen könnt Ihr gerne an wamssler@praefaktisch.de schicken.