13 Dez

Genormte Ursachen. Die Experimentelle Philosophie der kausalen Kognition

von Lara Kirfel (London)

 

Man kennt das vielleicht: Da probiert man zum ersten mal die neue Radstrecke zur Uni aus, und mitten auf der neuen Route hat das Fahrrad einen Platten. Nimmt mal eine andere Backform als sonst, und schon brennt der Auflauf an. Oder auch: Fährt bei Rot über die Ampel, und dann macht nach ein paar Metern die Autobatterie schlapp.

Wenn uns negative Ereignisse im Alltag widerfahren, schaltet sich in unseren Köpfen oft automatisch ein Wenn-Dann Denken ein: “Hätte ich mal lieber X nicht getan, dann wäre Y sicher nicht passiert”. Dabei glauben wir oft intuitiv zu wissen, wie die Dinge hätten anders laufen sollen: Hätte ich nicht die neue Radstrecke auspropiert. Die eine Backform benutzt. Wäre ich besser bei Grün gefahren. Dann wären all diese Dinge vielleicht nicht passiert. Dabei war der Reifen bereits hinüber, die Backzeit zu lange kalkuliert, die Batterie kurz vor ihrem Ende. Und dennoch, so scheint es, konzentrieren wir uns in solchen Fällen gesondert auf die Abnormitäten der Situation. Wären wir in diesen Situationen nicht von den Normen des Alltags abgewichen – vielleicht wäre alles ganz anders gekommen.

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08 Nov

Zur Relevanz einer psychologisch informierten Moralphilosophie: Eine Replik auf Königs

von Christoph Bublitz (Hamburg)

In einem jüngst in diesem Blog erschienenen Beitrag taxiert Peter Königs die Relevanz der  moralpsychologisch informierten Moralphilosophie (MiM) als gering. Sein Beitrag durchzieht das Bemühen, die Erträge der in den vergangenen Jahren international aufblühenden Forschungsrichtung an der Schnittstelle von Empirie und Philosophie in die Nähe des ad hominem Fehlschlusses zu rücken. In der Tat beziehen sich normative Argumente der MiM regelmäßig auf psychologische Aspekte moralischen Urteilens wie  Rationalisierungen, Unvoreingenommenheit oder Unparteilichkeit und damit notwendigerweise auch auf die Person des moralischen Urteilenden. Doch Schlüsse von psychologischen auf normative Eigenschaften seien, so Königs, ad hominem und damit jedenfalls in akademischen Debatten unzulässig. Im besten Falle lieferten sie „ressourcensparende, aber ungenaue“ Heuristiken. Erkenntnisgewinne in der Sache seien durch die MiM nicht zu erwarten. Mehr noch: die Argumente Joshua Greenes, einem der Protagonisten des Feldes, stellten gar eine „empirisch informierte Beleidigung“ bzw. „Diffamierung“ von Andersdenkenden, namentlich Deontologen, dar.

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16 Okt

„Warum ist das philosophisch relevant? Und warum überlässt du diese Arbeit nicht lieber den Psychologen?“

von Pascale Willemsen (Bochum)

 

In diesem Beitrag möchte ich dafür appellieren, dass die moderne Moralphilosophie experimentelle Philosophie braucht. Dringend. Entsprechend werde ich aufzeigen, warum experimentelle Philosophie philosophisch relevant ist und warum wir diese Arbeit nicht den Psychologen überlassen können und dürfen.

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