16 Nov

Über den Begriff der Schreibform bei Ludwig Wittgenstein

Von Marcus Döller (Erfurt)


In einem flüchtigen Notat aus seinen privaten Denktagebüchern gibt Wittgenstein Auskunft über den Begriff der „Schreibform“. Mit dem Begriff der „Schreibform“ gibt Wittgenstein Aufschluss über die Grundform seines Denkens. Die Weise philosophischen Denkens, die Wittgenstein vollzieht, gibt es nur im Schreiben und nur als Schreiben. Denken und Schreiben fallen in eines. Im Schreiben aber wird das Gedachte von innen her transformiert und konstituiert. Es gibt also keinen Gedanken vor dem Schreiben, der für den Vollzug des Denkens im Schreiben bedeutsam wäre, sondern erst im Schreiben als eine Vollzugsform des Denkens bringt sich der Gedanke selbst hervor. Wittgensteins Formulierung dafür ist, dass wir nur fähig sind aufzuschreiben, was „in der Schreibform in uns entsteht“. Damit muss zweierlei verstanden werden: erstens, was es heißt, etwas aufschreiben zu können und zweitens, was es heißt, dass Gedanken in uns entstehen: Was heißt es etwas zu können und was heißt es in diesem Können etwas in uns entstehen zu lassen? Beides, die Fähigkeit schreiben zu können und in der Form des Schreibens das Schreiben von innen her zu verändern, hängen konstitutiv zusammen.

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28 Okt

Wittgensteins Denken erkunden und entdecken

Von Wilhelm Vossenkuhl (München)


Vor 70 Jahren starb Ludwig Wittgenstein. Dies ist ein Anlass, aber noch kein Grund sich mit seinem Denken zu beschäftigen. Der wahre Grund ist unabhängig vom Todesdatum sein Denken. Dessen Bedeutung, Tiefgang und Reichweite wieder und neu zu entdecken, ist lohnend, wird aber von allerlei Vorurteilen und Stereotypen behindert. Ein Vorurteil ist die stereotype Trennung zwischen Frühwerk (Tractatus) und Spätwerk (Philosophische Untersuchungen), ein anderes ist die Unterstellung, er habe im Ansatz eine Theorie sprachlicher Bedeutung entwickelt, ohne sie im Einzelnen ausgeführt und vollendet zu haben. Das liege auch daran, dass seine Texte aphoristisch und unsystematisch seien.

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28 Sep

Grammatik und Gewissheit. Für einen befreiten Wittgenstein

Von Ulrich Metschl (Innsbruck)


Mit gerade einmal einhundert Jahren seit Erstveröffentlichung nimmt sich Wittgensteins Logisch-Philosophische Abhandlung – der Tractatus – unter den klassischen Werken der Philosophie fast noch wie ein Neuzugang aus. Doch vielleicht ist ein Jahrhundert genau der passende Abstand zu fragen, was vom Tractatus, und wenn wir schon dabei sind: von Wittgensteins Philosophie überhaupt, an bleibenden Einsichten zu würdigen ist. Oder, wenn wir dem Urteil zukünftiger Generationen nicht vorgreifen wollen, was an Wittgenstein zumindest heute noch philosophisch belangreich erscheint.

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01 Dez

Undenkbare Gedankenexperimente

Von Fabian Börchers (Berlin)


Was macht man in einem philosophischen Gedankenexperiment? Eine vorläufige und prima facie plausible Antwort lautet so: In einem philosophischen Gedankenexperiment stellt man sich einen Gegenstand, einen Sachverhalt, eine Situation vor, die man in der Realität so nicht antrifft oder vielleicht nicht antreffen kann und wertet diese Vorstellung aus, um philosophische Schlussfolgerungen aus ihr zu ziehen. Was aber, wenn eine wichtige und einflussreiche Gruppe von Experimenten von dieser Bestimmung gerade nicht getroffen wird?

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