20 Nov

Zur Departmentstruktur

von Christine Tiefensee (Frankfurt)


Will man Thomas Kuhn Glauben schenken, folgt auf die Krise des alten wissenschaftlichen Paradigmas wissenschaftliche Revolution. Der Vergleich zwischen Kuhns Revolutionen und der derzeit stark diskutierten Transition von der traditionellen Lehrstuhlstruktur hin zu einer Departmentstruktur hinkt zugegebenermaßen an mehreren Stellen. ‚Krise‘ und ‚Revolution‘ sind schließlich sehr starke Begriffe, wobei sich Philosoph*innen—bis auf wenige Ausnahmen—gemeinhin nicht gerade durch revolutionären Tatendrang und ausgeprägten Aktivismus hervortun. Dennoch lädt dieses Bild dazu ein, zwei drängende Fragen zu beantworten: Erstens, befindet sich das traditionelle Lehrstuhlsystem, in dem weisungsgebundene Mitarbeiterstellen Lehrstühlen zugeordnet sind, in einer ‚Krise‘, d.h. sieht es sich mit gravierenden Problemen konfrontiert, die nicht länger ignoriert werden können und dürfen? Zweitens, könnte eine beispielsweise aus den USA und Großbritannien bekannte Departmentstruktur, in der es keinen weisungsgebundenen Mittelbau gibt, sondern Philosophen*innen als weisungsunabhängige Professoren oder Lecturers forschen und lehren, diese Probleme überwinden, und wie könnte eine ‚Revolution‘ angegangen werden?

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23 Okt

Wer wächst wohin? Zum Begriff des wissenschaftlichen Nachwuchses

von David Willmes (Freiburg im Breisgau)

 

Was fällt Ihnen zuerst ein, wenn Sie Begriffe wie „Betreuer“ oder „Nachwuchs“ hören? Fragt man Lieschen Müller, wird sie wohl kaum an Hochqualifizierte auf dem Weg zum Doktorgrad oder zur Professur denken. Sondern vielleicht eher an Kinder oder Pflegebedürftige. Im Hochschuljargon sind diese Ausdrücke gang und gäbe – trotz Infantilisierung, anscheinend mangels Alternativen. Auch bei mir hat sich der Sprachgebrauch eingeprägt. Allerdings bleibt ein Beigeschmack. Wir sollten genauer hinschauen, was serviert wird.

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18 Sep

Die Finanzierung der Wissenschaft und ihr Einfluss auf die prekäre Situation unserer nicht dauerhaft beschäftigten jüngeren Kolleginnen und Kollegen

von Achim Stephan (Osnabrück)


Die modellhaften Überlegungen, die von Mitgliedern der DGPhil und der GAP gemeinsam angestellt wurden, um die Situation für unsere nicht dauerhaft beschäftigten jüngeren Kolleginnen und Kollegen etwas zu verbessern, können nur ein paar Tropfen auf einen überhitzten Stein sein. Sie orientieren sich daran, was Philosophie-Institute und Universitäten unter Umständen selbst in die Hand nehmen können. Nicht thematisiert wird das, was die eigene unmittelbare Einflussnahme übersteigt. Will man jedoch begreifen, was dazu geführt hat, die zu keiner Zeit einfache Situation der sogenannten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler extrem zu verschärfen, führt kein Weg daran vorbei, sich die forschungspolitischen Rahmenbedingungen vor Augen zu führen. Noch Ende der achtziger Jahre dürften viele Philosophie-Institute im Laufe von zehn bis zwanzig Jahren nicht wesentlich mehr Postdocs zur Habilitation geführt haben als sie selbst  an Dauerstellen aufwiesen (auch da gab es sicher Ausnahmen und nicht alle Habilitierten konnten mit Professuren rechnen, aber immerhin gab es auch noch unbefristete akademische Ratsstellen, auf denen man  in der Regel ebenfalls mit großen Freiheitsgraden eigene Projekte in der Lehre und etwas eingeschränkter in der Forschung verfolgen konnte).

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