13 Jun

Sind Fragen nach Gott Anfängerfragen?

von Silvia Jonas (München)


Philosophiestudierende, die sich für Fragen zu Gott und Theismus interessieren, haben es nicht leicht. Wer zum Beispiel nach der Rationalität von religiösem Glauben fragt, erntet oft bestenfalls einen mitleidigen Blick. Eine Anfängerfrage! Fortgeschrittene philosophische Kenntnisse werden ihre Irrelevanz offenlegen. So oder ähnlich scheint zumindest die Haltung vieler Philosophielehrender zu sein. Aber sind Fragen nach Gott, Theismus und religiösem Glauben wirklich so obsolet geworden, wie man ihrem Schattendasein in der heutigen Philosophie nach meinen könnte?

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12 Jun

Respekt und Kontroversität: Eine liberal perfektionistische Replik auf Johannes Giesinger

von Johannes Drerup (Freie Universität Amsterdam & Koblenz-Landau)


Dissens ist konstitutiv für liberale Demokratie und Dissensfähigkeit und Dissenstoleranz sind zentrale demokratische Tugenden. Die Frage nach den legitimen Grenzen von Dissens und Toleranz steht auch im Zentrum der Debatte über die angemessene Bestimmung von Kriterien für das, was im schulischen Unterricht legitimer Weise als kontrovers (oder nicht kontrovers) zu diskutieren ist.

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11 Jun

Sinn im Leben: Von Wertpluralisten und empirischer Sinnforschung

Dieser Blogbeitrag basiert auf einem Aufsatz, der im Schwerpunkt „Das Schöne, Wahre und Gute. Das sinnvolle Leben in der Diskussion“ in der Zeitschrift für Praktische Philosophie erschienen ist.


von Katja Stoppenbrink (WWU Münster)


“The purpose of life is a life of purpose.”

[US-Zitatsammler & Billardstar Robert Byrne (1930-2016)]

Gibt es ‚Sinn im Leben’? Dass es sich dabei um eine vom ‚Sinn des Lebens‘ zu unterscheidende Frage handelt, erschließt sich womöglich erst auf den zweiten Blick. Auch für die Philosophiegeschichte lässt sich diese Diagnose reklamieren: Erst in der Gegenwart beschäftigen sich Philosophinnen und Philosophen (alle Geschlechter hier und nachfolgend jeweils miterfasst!), insbesondere auch analytisch orientierte Philosophen, mit dieser für das menschliche Leben aus einer geteilten Binnenperspektive (‚Teilnehmerperspektive‘) heraus grundlegenden Frage wie dem, was denn ‚Sinn im Leben‘ausmachen könne. – Gehen wir, die wir uns womöglich als Sinnsucherinnen verstehen, in medias res: Ist Sinn im Leben wichtig? Wenn ja: warum? Und um was für einen Wert handelt es sich dabei?

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04 Jun

Warum ist es moralisch problematisch, zu viel Geld zu haben?

von Matthias Kramm (Utrecht)


Bis zu der Scheidung von seiner Frau MacKenzie bleibt Jeff Bezos mit einem Besitz von 131 Milliarden Dollar der reichste Mann der Welt. Dicht auf ihn folgt Bill Gates mit 96,5 Milliarden Dollar. Die Aldi-Süd-Erben Karl Albrecht Junior und Beate Heister landen mit 36,1 Milliarden Dollar auf Platz 23 der Forbes-Liste[1]. Laut Statista[2] besaßen deutsche Bundesbürgerinnen und Bundesbürger im Jahr 2017 ein durchschnittliches Pro-Kopf-Geldvermögen von 52.390 Euro. In Österreich betrug das Pro-Kopf-Geldvermögen 53.980 Euro und in der Schweiz erstaunliche 173.990 Euro. Auch wenn noch Vermögenswerte wie Haus, Auto etc. dazu kommen würden, bleibt der Vergleich schwindelerregend: Jeff Bezos und Bill Gates würden jeweils immer noch mehr als 490.000 Schweizer, 1,5 Millionen Österreicher oder 1,6 Millionen Deutsche besitzen.

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30 Mai

Let’s Talk About Sex!

von Anja Schmidt (Halle-Wittenberg)


Natürlich müssen wir über Sexualität philosophieren, es ist sogar dringlich! Das ist der Grund, warum ich die Einladung zu einem Beitrag für diesen Blog annahm.

Wir müssen über Sexualität philosophieren, weil Sexualität eine ganz wesentlich kulturell geprägte menschliche Praxis ist, die als menschliche Praxis moralisch und ethisch reflektiert werden muss. Zwar gibt es eine Alltagsüberzeugung, dass Sexualität vor allem natürlich, triebgesteuert ist, so dass es eine „natürliche“ oder „normale“ Sexualität gibt, die einfach so funktioniert und gesellschaftlich nicht beeinflusst wird. Dass dem nicht so ist, zeigen aber individuelle Erfahrungen ebenso wie gesellschaftliche Mechanismen zur Regulierung von Sexualität.

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23 Mai

Bildung zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit

von Sabrina Schröder und Charlotte Spellenberg (Halle-Wittenberg)


Studierende der Erziehungswissenschaften können in Einführungsveranstaltungen das Pech haben, mit einer marktlogisch geführten Uni konfrontiert zu sein, die auf Problemlösung statt auf Problematisierung setzt und ihnen hinsichtlich der eigenen Wissens- und Kompetenzbildung das Blaue vom Himmel verspricht. Wenn ‚Bildung‘ so als „Marschgepäck“ (Schwanitz 1999, 8) verkauft wird, wird sich in den Vorlesungen, Seminaren und Diskussionen dann auch die Frage nach deren ‚Mehrwert‘ einstellen. Demgegenüber klingt ein Satz wie: „Das Schlimmste, was Ihnen im Studium passieren kann ist, dass Sie dieselbe bleiben“ fast schon wie eine Drohung. Das Bedrohliche bezieht sich dann nicht auf die Frage, inwiefern man in der Lage ist, ein ‚zur Verfügung stehendes Wissen‘ für sich selbst effektiv ‚verwertbar‘ zu machen, sondern auf die Möglichkeit, das Unvorhersehbare auszuhalten. Die Forderung ‚nicht dieselbe zu bleiben‘ ließe sich so übersetzen in einen unmöglichen Anspruch, der mit der Potenzialität der Bildung zu tun hat: Es geht darum, offen zu sein für etwas, von dem man nicht weiß, ob es sich ereignet.

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16 Mai

Aktualität und Wahrheit – oder: Von Marx zu Hegel. Eine spekulative Anamnesis , Teil II

von Gregor Schäfer (Basel)


Wir bringen diesen zweiteiligen Beitrag verspätet zum Marx Jubiläum, da er uns auf Grund eines technischen Gebrechens erst jetzt erreicht hat, obwohl er schon vor einem halben Jahr fertig gestellt wurde. Der erste Teil ist hier.


III.

Als «Verwirklichung der Philosophie» bleibt der Marxismus vom Hegelschen Idealismus – unhintergehbar – abhängig. Dies zum einen in begründungstheoretischer Hinsicht: Ein Marxismus, der sich als die neue, für sich selbst stehende Position eines «Materialismus» begründet, muss darin, nimmt er die Begründungsfrage überhaupt ernst, scheitern; er wird zum objektivistischen Dogmatismus, der hinter den Begründungsanspruch des Hegelschen Idealismus zurückfällt und sich dessen nicht bewusst ist, dass auch noch sein eigener Wahrheitsanspruch – unhintergehabr – vom objektiven Idealismus zehrt, den er überwunden zu haben wähnt. Dies zum andern aber auch in subjekt- und, dadurch vermittelt, revolutionstheoretischer Hinsicht: Es ist freilich kein Zufall, dass Lukács’ Geschichte und Klassenbewusstsein (1923) – wie Agnes Heller einmal feststellt, das einzige philosophische Buch des Marxismus, das je geschrieben wurde – sich auf das Hegelsche (und Fichtesche) Erbe besinnt, um den Marxismus aus dem – als solchen a-politischen – szientistischen (ökonomistischen) Positivismus und historizistischen Schema zu befreien, zu denen ihn die II. Internationale nivellierte.[i]

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09 Mai

I: Was bedeutet „Sex haben“?

von Peter Wiersbinski (Regensburg)


Es braucht nur wenig philosophische Anstrengung, um eine Ahnung davon zu gewinnen, wie leicht man an der Frage „Was ist Sex?“ verzweifeln kann. Und auch sehr ernsthaftes Nachdenken führt eher noch tiefer in Aporien hinein als zu einer allseits einleuchtenden und einheitlichen Antwort. Das gilt sogar dann, wenn wir von vornherein das (zumindest aus philosophischer Sicht) verwirrende[1] Phänomen der Masturbation außen vor lassen und auch nicht nach dem Wesen sexueller Orientierungen und Identitäten fragen, sondern lediglich wissen wollen, welche Art von Tätigkeit „Sex haben“ beschreibt, wenn von zwei Menschen gesagt wird, sie hätten Sex miteinander. Dass die Versuche, eine Antwort auf diese Frage zu geben, in Aporien, das heißt: in Widersprüche und Ausweglosigkeiten führen, könnte den Verdacht aufkommen lassen, dass Sex selbst etwas Widersprüchliches und eine Ausweglosigkeit ist – wenn auch zuweilen eine schöne Ausweglosigkeit. Wie man zu diesem Verdacht gelangt, darum geht es in diesem Beitrag.

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07 Mai

Wie ist die Frage nach dem Sinn des Lebens zu verstehen?

von Tatjana Visak (Bayreuth)


Man kann sich fragen, warum es überhaupt Leben oder insbesondere menschliches Leben gibt. Was ist der Sinn von (menschlichem) Leben? Man kann sich außerdem die Frage stellen, ob das eigene Leben sinnvoll ist, ob es beispielsweise Sinn hat, das eigene Leben (auf eine bestimmte Weise) weiter zu führen. Letzteres ist die Frage nach dem Sinn des Lebens, oder dem Sinn im Leben, um die es hier gehen soll. In diesem Beitrag möchte ich diese Frage allerdings nicht beantworten. Stattdessen möchte ich einen Vorschlag machen, wie die Frage zu verstehen ist. Wonach fragen wir eigentlich, wenn wir wissen wollen, ob unser Leben sinnvoll ist, oder wenn wir darüber nachdenken, wie wir unserem Leben mehr Sinn verleihen können? Wie ist der Sinnbegriff in diesem Zusammenhang zu verstehen?

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02 Mai

Aktualität und Wahrheit – oder: Von Marx zu Hegel. Eine spekulative Anamnesis , Teil I

von Gregor Schäfer (Basel)

Wir bringen diesen zweiteiligen Beitrag verspätet zum Marx Jubiläum, da er uns auf Grund eines technischen Gebrechens erst jetzt erreicht hat, obwohl er schon vor einem halben Jahr fertig gestellt wurde. Der zweite Teil erscheint in zwei Wochen.


I.

Die Frage nach der Aktualität des Marxismus fokussiert sich in der öffentlichen Diskussion, die das zufällig-historische Faktum des 200. Geburtstags von Karl Marx zu ihrem Anlass nimmt, in der einen oder anderen Weise zumeist darauf, ob er «uns» «heute» noch etwas zu sagen habe. Spezifischer: welche seiner Theorieteile, Subtheorien oder praktischen Forderungen und Programme noch aktuell seien. Je nach dem mögen die Antworten hierauf lauten, der Marxismus sei – wie ohnehin längst bekannt – überholt. Oder aber – in einer Einstellung kritischerer Offenheit – er liefere nach wie vor taugliche Instrumente, die es hinsichtlich ihrer deskriptiv-phänomenologischen Adäquatheit, ihrer analytisch-explanativen Fruchtbarkeit oder ihres kritischen Potentials im Blick auf Erscheinungen und Symptome der späten Moderne neu zu entdecken und zu würdigen gälte. Die Aktualität der Marxschen Kapital-Analyse vermag zumal angesichts der seit 2007 jäh ins allgemeine Bewusstsein eingebrochenen Entwicklung der Finanzmärkte, über engere orthodoxe Zirkel hinaus, in den Feuilletons der großen Zeitungen wieder auf breite öffentliche Resonanz zu stoßen.[i]

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