16 Feb

Ethik als Methode

Von John-Stewart Gordon (Kaunas, Litauen)


Ohne Zweifel haben sich die bisherigen ethischen Theorien als fehlerhaft erwiesen, insbesondere dann, wenn geglaubt wurde, dass man mit einem (oder wenigen) Moralprinzip(ien) in der Lage ist, alle ethischen Probleme aufzulösen. In Wahrheit sind einzelne ethische Theorien jedoch lediglich nur unvollkommene Annäherungsweisen an die moralische Wirklichkeit. Einzig mit Hilfe der pluralistischen ethischen Methode – genannt Ethik als Methode (Gordon 2019) – ist man in der Lage, so die These des Buches, alle moralischen Probleme angemessen zu diskutieren und entsprechend zu lösen. Dieser radikale Neuansatz leitet einen Paradigmenwechsel in der Ethik ein.        

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14 Jan

Bücher schreiben ist nicht wie Smoothie trinken. Und trotzdem braucht es sie in der Philosophie.

Von Ursula Renz (Graz)


Die beste aller möglichen Welten wäre wahrscheinlich eine, in der es philosophische Bücher gäbe; und die Bibliothek, in die ich mich gerne zum Lesen zurückzöge, hätte nicht nur bequeme Ohrensessel, eine rasche Internet-Verbindung und elektronischen Zugang zu allen möglichen Zeitschriften, sondern sie enthielte auch Bücher, und zwar nicht nur von Aristoteles, Spinoza und Kant, sondern auch von Philippa Foot, Peter F. Strawson, Frederik Beiser oder Susan James. Ja, es gäbe in ihr auch Bücher, von deren Existenz ich nicht weiß oder deren Lektüre ich keinen Moment lang in Erwägung zöge. Und weil eben die beste aller möglichen Welten eine solche ist, stünde auch nicht zur Debatte, dass philosophische Bücher weiter existieren und für wertvoll gehalten werden.

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24 Nov

Hegel dekolonisieren?!

Von Filipe Campello (Recife, Brasilien)


Wenn wir uns heute – 250 Jahre nach seinem Tod – an Hegel erinnern, ist vielleicht eine der am meisten beunruhigenden Reaktionen die Frage, wie derselbe Philosoph gleichzeitig geschrieben haben kann, “das was wirklich ist, das ist vernünftig” und dass “nichts Großes in der Welt ohne Leidenschaft vollbracht worden ist”. Worauf bezieht sich Hegel denn nun, wenn er von Rationalität spricht? Oder: welche sind diese Leidenschaften, die die Welt bewegen?

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24 Nov

Plädoyer für die Utopie. Notwendig und unverzichtbar als Philosophie des Wünschenswerten und Möglichen

Von Mathias Lindenau (Ostschweizer Fachhochschule)


Stellen Sie sich vor, man würde Sie um eine Stellungnahme bitten, ob die Utopie irgendeine Relevanz für die Philosophie besitzt. Möglicherweise würde Ihnen Shakespeares Komödie «Viel Lärm um nichts» in den Sinn kommen und Sie würden achselzuckend Ihrer Meinung nach lieber einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen. Aber vielleicht würden Sie doch einen Moment innehalten und sich fragen, ob Philosophie als die Inkarnation logischen Denkens überhaupt etwas mit Utopien zu tun haben kann, die bekanntlich im Ruf stehen, nach einem Wolkenkuckucksheim zu suchen.

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12 Nov

Was heißt Toleranz – und warum soll man es verteidigen?

Von Matthias Kaufmann (Halle)


Nachdem Toleranz lange Zeit als einer der wichtigen Beiträge der europäischen Aufklärung zur politischen und sozialen Kultur gefeiert wurde, erfuhr sie heftige Kritik als angebliche Legitimation von Indifferenz und Unmoral. Wenn man die vielen möglichen Verwendungsweisen etwas sortiert und genauer ansieht, wird deutlich, dass Toleranz in ihrer Kernbedeutung zum moralischen Fundament globalen menschlichen Zusammenlebens gehört.

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04 Nov

Neue Technologien – neue Kindheiten?

von Gottfried Schweiger (Salzburg)


Techniken und Technologien spielen während der Kindheit eine immer größere Rolle. Kinder und Jugendliche verwenden fast täglich neuere Techniken wie PCs, Tablets, Smartphones, das Internet, Soziale Medien, Software oder Computerspiele ebenso wie Eltern, Schulen und Unternehmen. Technologische Entwicklungen in der KI, Robotik und Digitalisierung werden in den nächsten Jahren die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen weiter verändern. Techniken können dabei unterstützend und fördernd wirken aber auch disruptiv und neue Gefahren erzeugen. Die Bewertung dieser Gefahren und die Frage, welche Techniken von Kindern, mit Kindern und für Kinder verwendet werden sollen oder dürfen, stellt sich mit zunehmender Dringlichkeit.

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02 Nov

Die neue Sichtbarkeit der Lehre. Eine Zwischenbilanz zur philosophischen Lehre in Zeiten der Pandemie

von Daniel Kersting (Jena) und Michael Reder (München)


Heute beginnt das neue Semester – bei vielen sicherlich mit gemischten Gefühlen. Eigentlich sollte das Wintersemester als ein „Hybrid-Semester“ stattfinden: So viel Präsenzlehre wie möglich, soviel Distanzlehre wie nötig. Doch die Infektionszahlen steigen rapide an und vielerorts startet das Semester nun doch online. Wir möchten diese außergewöhnliche Situation zum Anlass nehmen, Zwischenbilanz zu ziehen, und – vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen, bundesweiter Umfragen sowie einiger Diskussionsbeiträge zum Thema – danach fragen, was gute Lehre insbesondere in der Philosophie auszeichnet und welche institutionellen Bedingungen es dazu braucht. Dabei lassen wir uns von der Beobachtung leiten, dass der Lehre durch die COVID-19 Pandemie gleichsam über Nacht eine neue Bedeutung und Sichtbarkeit zuteilwurde, die es unseres Erachtens über die Krise hinaus zu sichern gilt. Die Pandemie fungiert dabei auch wie ein Katalysator: sie zeigt, an welchen Stellen wir in der Vergangenheit zu wenig über die Lehre nachgedacht haben und was daraus für die Zukunft der Lehre folgen könnte.

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23 Okt

Die Coronamüdigkeit der Philosophie, oder: wie soll die Zukunft aussehen?

von Gottfried Schweiger (Salzburg)


Die COVID-19 Pandemie ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Der kurze Sommer der Erleichterung ist dem Herbst der Ernüchterung gewichen. Alle blicken gebannt und gespannt, manche ängstlich, viele genervt, in die nahe Zukunft des Winters. Die Pandemie hat bislang gezeigt, was Philosophie kann und zeigt jetzt umso deutlicher, was sie nicht kann: kraftvolle Szenarien für eine gerechte Gesellschaft der Zukunft entwickeln.

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20 Okt

Hegel für uns

Von Christine Weckwerth (Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften)


Hegels zweihundertfünfzigster Geburtstag ist ein, wenngleich rein biographischer Anlass zu fragen, wie wir es mit diesem Klassiker der deutschen Philosophie denn halten. Beginnt mit seiner Philosophie die kritische Selbstvergewisserung der Moderne oder ist sie als ein gescheitertes Theorieprogramm anzusehen? Ein Streitpunkt zwischen Hegelfreunden und Hegelgegnern bis in die Gegenwart. Bezeichnend ist, dass der Jubilar vor einer Problemlage steht, die der unsrigen ähnelt. Am Beginn seines philosophischen Werdeganges sieht er sich einer umfassenden kulturellen Krise gegenüber, die er auch als einen Dualismus zwischen subjektiver und objektiver Welt umschreibt. Zu dieser Einsicht hatten die Desillusionierungen nach der Französischen Revolution wie die sich durchsetzende kapitalistische Organisation der Wirtschaft beigetragen. Symptomatisch spricht Hegel von einer „Tragödie im Sittlichen“, die sich als Metapher für eine durch soziokulturelle Ausdifferenzierung der Gesellschaft erzeugte Abtrennung der Individuen vom Gemeinwesen interpretieren lässt. Angesichts der prognostizierten Klimakatastrophe, Wirtschaftskrisen, sozialer Ungleichheit wie anhaltender Kriege erscheint auch uns die Welt als eine fremde und Hegels Zeitdiagnose zutreffend. Parallelen zeigen sich ebenso in intellektueller Hinsicht. Der von ihm konstatierte Dualismus zwischen einem Objektivismus auf der einen und einem die Persönlichkeit generalisierenden Subjektivismus auf der anderen Seite tritt in der Gegenwartsphilosophie in vorherrschenden objektivistischen (Szientismus, Naturalismus) und subjektivistischen, normativen Ansätzen zutage, in denen entweder das Subjekt oder die Natur und geschichtliche Welt ausgeklammert werden. Im Gegenzuge dazu hat sich eine medial präsente, populäre Philosophie herausgebildet, die das steinige Gelände (nach)meta­physi­scher Problembewältigung bewusst umgeht, um sich Themen der richtigen Lebensgestaltung zuzuwenden. Nicht zuletzt die Lage der Gegenwartsphilosophie ist ein Anlass nach dem Hegel’schen Ausweg aus der Krise zu fragen.

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14 Okt

Videoblog-Wettbewerb für Student*innen: Darf man heute noch Kinder haben?

Fast alle Menschen haben im Laufe ihres Lebens Kinder. Für viele gehören eigene Kinder zu einem erfüllten Leben. Doch ist es angesichts einer immer weiterwachsenden Weltbevölkerung, die immer mehr Ressourcen verbraucht, und der Auswirkungen der Klimakrise heute überhaupt noch moralisch vertretbar, Kinder zu haben? Und wenn es besser wäre, weniger oder gar keine Kinder zu bekommen, wie dürfen wir die Menschen dazu bringen, sich daran zu halten?

Der Philosophieblog praefaktisch.de sucht die besten Antworten auf diese Fragen in Form philosophischer Videoblogs. Wenn Du Lust hast, mitzumachen, dann schicke Dein Video mit einer Länge von max. fünf Minuten bis 31. Dezember 2020 an blog@praefaktisch.de. Große Dateien können einfach über WeTransfer oder einen ähnlichen Dienst verschickt werden. Oder Du gibst uns das Video über Google Drive oder Dropbox frei. Bitte schick ein paar Zeilen über Dich und wo Du studierst mit.

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