09 Mai

I: Was bedeutet „Sex haben“?

von Peter Wiersbinski (Regensburg)


Es braucht nur wenig philosophische Anstrengung, um eine Ahnung davon zu gewinnen, wie leicht man an der Frage „Was ist Sex?“ verzweifeln kann. Und auch sehr ernsthaftes Nachdenken führt eher noch tiefer in Aporien hinein als zu einer allseits einleuchtenden und einheitlichen Antwort. Das gilt sogar dann, wenn wir von vornherein das (zumindest aus philosophischer Sicht) verwirrende[1] Phänomen der Masturbation außen vor lassen und auch nicht nach dem Wesen sexueller Orientierungen und Identitäten fragen, sondern lediglich wissen wollen, welche Art von Tätigkeit „Sex haben“ beschreibt, wenn von zwei Menschen gesagt wird, sie hätten Sex miteinander. Dass die Versuche, eine Antwort auf diese Frage zu geben, in Aporien, das heißt: in Widersprüche und Ausweglosigkeiten führen, könnte den Verdacht aufkommen lassen, dass Sex selbst etwas Widersprüchliches und eine Ausweglosigkeit ist – wenn auch zuweilen eine schöne Ausweglosigkeit. Wie man zu diesem Verdacht gelangt, darum geht es in diesem Beitrag.

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