29 Okt

Vernunftlos oder beseelt? Unterwegs zu einer philosophischen und praktischen Neubewertung der Tiere

von Michael Rosenberger (Linz)


In meiner Schulzeit habe ich noch gelernt, dass die erste Fließbandproduktion der Welt das „Model T“ von Henry Ford gewesen sei, jenes Auto, das seit 1913 vom Band lief. Nicht gewusst hat man damals, dass Ford sich entscheidende Inspirationen in den Schlachthöfen von Chicago erwarb. Chicago ist bereits 1860, also über ein halbes Jahrhundert früher, die Weltmetropole des Schlachtens. Und das verdankt die Stadt der systematischen Nutzung von Fließbändern zum Töten und Zerlegen von Tieren. Schlachttiere sind der erste „Rohstoff“, der auf Fließbänder wandert, Fleisch das erste Massenprodukt aus großindustrieller Serienfertigung. Wird das den Tieren gerecht? Oder sind Tiere Sachen, die wir Menschen ausschließlich unter dem Aspekt des Nutzens für uns betrachten dürfen?

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03 Okt

Ist es moralisch relevant, ein Kind zu sein?

Anlässlich der Veröffentlichung des Handbuch Philosophie der Kindheit (J.B. Metzler 2019) bringt praefaktisch Texte zur Philosophie der Kindheit.


von Johannes Giesinger (Zürich)


Im alltäglichen moralischen Diskurs wird bisweilen angemahnt, jemand solle nicht so hart angegangen werden, „weil er noch ein Kind sei“. Der gleiche Grund wird teils angegeben, um paternalistische und pädagogische Eingriffe in das Leben von Personen zu rechtfertigen. Erwachsene verbitten es sich entsprechend, „wie Kinder behandelt zu werden“. Oftmals wird auch gefordert, man solle „Kinder Kind sein lassen“.

Es ist unklar, ob sich Aussagen wie diese in den ethischen Diskurs übersetzen lassen. Die ethische Standardauffassung ist, dass die Zugehörigkeit zu einer Altersgruppe für sich genommen moralisch irrelevant ist – was zählt, sind die Eigenschaften oder Fähigkeiten der Person. Das Setzen von Altersgrenzen ist demnach allenfalls aus pragmatischen Gründen gerechtfertigt, und nicht weil das Alter einen moralischen Unterschied macht.

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20 Jun

Zu viel vom Falschen?Das Geld und die Moral

von Eric Achermann (Münster)


Es ist durchaus bemerkenswert, welch routiniertes Verständnis Religionen einerseits entgegengebracht, andererseits aber allem Möglichen, was dieser oder jenem als überbewertet erscheint, alsbald der Schimpfname ‚Religion‘ verpasst wird. So seien Technik, Konsum, Fußball, Stars, Autos, Influencer u.a.m. allesamt Gegenstände religiöser Verehrung. Auch das Geld darf da nicht fehlen. Die Religion Geld aber, das muss man ihr lassen, kann auf eine Ahnengalerie zurückblicken, die es unter allen Ersatzreligionen mutmaßlich zur ältesten macht, nimmt man das Goldene Kalb mal aus.

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02 Apr

Sinn und Moral

von Simon Weber (Universität Bonn)


Das eigene Leben als sinnvoll zu erfahren ist Teil des menschlichen Glücks. Das weiß jede, die schon einmal in einer handfesten biographischen Krise gesteckt hat. Ebenso beruht unsere Bewunderung für Persönlichkeiten wie Mutter Teresa, Albert Einstein und Paul Gauguin nicht zuletzt darauf, dass wir ihre Leben als in herausragendem Maße mit Sinn erfüllt begreifen. Insofern wir am Gelingen unseres eigenen Lebens interessiert sind, haben wir daher Grund nach Sinn zu streben.

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11 Dez

Erziehen durch Erzählen. Moralische Bildung im Raum des Fiktionalen

von Anke Redecker (Bonn)


Versteht man Bildung als ein sinn- und verantwortungsvolles Sich-ins-Verhältnis-Setzen zu anderen, anderem und sich selbst, so kann damit ein Humboldtsches Bildungsverständnis angesprochen werden,[1] das sich im fortlaufenden – zum Beispiel wahrnehmenden, bestimmenden und wertenden – Bezug des Menschen zur Welt charakterisieren lässt. Da es sich bei diesem Weltbezug nicht um „meine“ von mir –zum Beispiel  ideologisch oder kulturspezifisch – zurechtgedachte Welt, sondern um „die“ Welt handelt, ist mit dieser Auseinandersetzung zugleich eine zwar je perspektivische, aber letztlich kosmopolitische Relation[2] verbunden, geht es doch um „den“ Menschen schlechthin, der die Welt – mit ihren vielfältigen Bewohnerinnen und Bewohnern – erfährt und zu verstehen versucht sowie zu verantwortlichen weltbezogenen Urteilen und Gestaltungen aufgerufen ist.

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16 Okt

„Warum ist das philosophisch relevant? Und warum überlässt du diese Arbeit nicht lieber den Psychologen?“

von Pascale Willemsen (Bochum)

 

In diesem Beitrag möchte ich dafür appellieren, dass die moderne Moralphilosophie experimentelle Philosophie braucht. Dringend. Entsprechend werde ich aufzeigen, warum experimentelle Philosophie philosophisch relevant ist und warum wir diese Arbeit nicht den Psychologen überlassen können und dürfen.

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