18 Jun

Was, wenn wir nicht wissen, dass wir einen Android lieben?

Von Michael Kühler (Münster/Twente)


Auch wenn die Entwicklung von KI und Robotik unbestreitbar große Fortschritte macht, so sind wir doch noch weit davon entfernt, „künstliche Menschen“ oder Android zu erschaffen, die wir nicht (mehr) unmittelbar als solche identifizieren können. „Replikanten“ im Film Blade Runner, „Synths“ in der Serie Humans („Hubots“ im schwedischen Original Real Humans) oder die organischen Androiden der Zylonen in der Wiederauflage der Serie Battlestar Galactica bleiben – zumindest bis auf Weiteres – Science-Fiction.

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21 Apr

Liebe, Verliebtheit und Nichtwissen: Ortegas Kritik an Stendhals Kristallisationstheorie

von Michael Kühler (Münster/Twente)


Liebe, Verliebtheit und Nichtwissen: Ortegas Kritik an Stendhals Kristallisationstheorie

Wie gut kennen wir die Personen, die wir lieben? Einerseits wäre es sicher seltsam, wenn wir über sie nichts oder wenig wüssten. Praktisch alle Vorstellungen von Liebe umfassen auf die ein oder andere Weise die Idee, die geliebte Person möglichst gut zu kennen. Folgt man beispielsweise der Idee, dass es Gründe für die Liebe gibt,[1] so erlaubt erst eine (hinreichende) Kenntnis der geliebten Person, diese als angemessenes Objekt der Liebe ansehen und die Liebe dadurch rational begründen zu können – oder zumindest rational verstehbar zu machen.[2] Die Vorstellung wiederum, die Liebe sei eine spezielle Sorge um die geliebte Person verbunden mit dem Wunsch, ihr Wohlergehen zu befördern,[3] bedarf einer (hinreichenden) Kenntnis der geliebten Person, um zumindest zu wissen, wie man ihr Wohlergehen tatsächlich fördern kann. Wird Liebe schließlich so verstanden, dass sie in einem gemeinsamen Teilen des Lebens[4] oder gar in einer Vereinigung der Liebenden hin zu einer geteilten Wir-Identität[5] besteht, so lässt sich auch dies kaum ohne ein hinreichenden Wissen der Liebenden umeinander denken. So verstanden scheint für ein Nichtwissen in erfolgreicher Liebe kein Platz zu bleiben.

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17 Jan

Sinn im Leben durch soziale Einbettung

von Michael Kühler (Münster/Hannover)


Dieser Blogbeitrag basiert auf einem Aufsatz, der im Schwerpunkt “Das Schöne, Wahre und Gute. Das sinnvolle Leben in der Diskussion” in der Zeitschrift für Praktische Philosophie erschienen ist.


Was vermag uns in unserem Leben das (begründete) Gefühl zu geben, dass wir ein sinnvolles Leben führen? Anders gefragt: Welche Elemente in unserem Leben haben das Vermögen, sinnstiftend zu sein?

Die Frage nach dem sinnvollen Leben bzw. der Kategorie des Sinns im Leben hat in jüngerer Zeit in der Philosophie wieder zunehmende Beachtung gefunden, wie nicht zuletzt auch der aktuelle Schwerpunkt zum Thema in der Zeitschrift für Praktische Philosophie bezeugt, auf den sich dieser Blogbeitrag gründet.[1] Diskutiert wird nicht nur einmal mehr die klassische Frage nach einem möglichen Sinn des Lebens im Ganzen, sondern in erster Linie die Frage nach dem Sinn im Leben, d.h. was ein Leben zu einem sinnvoll geführten Leben macht. Paradebeispiele hinsichtlich der letzteren Frage, die in der Literatur immer wieder angeführt werden, sind Nelson Mandela, Mutter Teresa, Albert Einstein und Fjodor Dostojewski, die jeweils Werte wie Freiheit, Barmherzigkeit, wissenschaftliche Erkenntnis oder künstlerisches Schaffen verfolgt, befördert oder geschaffen haben.[2] Ein sinnvolles Leben ist demnach eines, in dem die Person bestimmten als wertvoll und daher sinnstiftend angesehenen Tätigkeiten nachgeht oder bestimmte zur Sinnstiftung geeignete Werte zu befördern sucht.[3]

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