02 Jun

Das Recht auf Nichtwissen in der Medizin

Von Joachim Boldt (Freiburg) & Franziska Krause (Heidelberg)


Habe ich ein erhöhtes Risiko für das Auftreten einer Altersdemenz? Oder für eine andere genetisch bedingte Erkrankung? Wer will, kann sein Genom bei kommerziellen Online-Anbietern auf solche Erkrankungen hin analysieren und auswerten lassen. Das kostet nicht viel und es geht schnell. Was macht man aber dann, wenn das Ergebnis tatsächlich ein erhöhtes Risiko angibt? Was, wenn sich der Krankheit nicht vorbeugen lässt und sie nicht zu therapieren ist?

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11 Mai

Patientenverfügung und Sterbehilfe: Individuen im Spannungsfeld zwischen Autonomie und Fremdbestimmung

Von Leander Frank (Frankfurt am Main/Darmstadt)

Die Diskussion über den Umgang mit Sterbehilfe ist eine der wenigen Zombiedebatten, die alle paar Jahre wieder auftauchen. Im Jahr 2015 wurden im Bundestag vier verschiedene Vorschläge, die von liberal bis sehr konservativ reichten, zur rechtlichen Neuregelung der Sterbehilfe in Deutschland vorgelegt. Ende desselben Jahres entschieden sich die Politiker für den konservativsten Vorschlag: Die geschäftsmäßige Sterbehilfe wurde weiterhin untersagt und Beihilfe zum Suizid unter Strafe gestellt, obwohl diese über 100 Jahre straffrei war. In Deutschland ist die Debatte über den Tod längst kein Tabuthema mehr, denn spätestens am Ende unseres Lebens muss sich jede mit ihm auseinandersetzen. Aus diesem Grund war es nur eine Frage der Zeit, bis die Diskussion über den Umgang mit Sterbehilfe wieder zur Debatte stand. Im Februar 2020 wurden erneut abgestimmt, und nun ist es amtlich: Die passive Sterbehilfe ist in Deutschland endlich erlaubt, da, so die Argumentation, jeder Mensch grundsätzlich das Recht habe, selbstbestimmt zu sterben.

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24 Apr

Medizinethik und COVID 19

Von Sabine Salloch (Greifswald)


Die gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen der COVID 19-Pandemie beeinflussen unser Leben in erheblicher, bisher oft ungekannter Weise. Individuelle Perspektiven und Einschätzungen zu Risiken, Pandemie-bezogenem Verhalten und staatlichen Maßnahme variieren erheblich und werden, meinem Eindruck nach, sowohl durch die beruflich-fachliche Perspektive als auch durch die persönliche Lebenssituation der Person geprägt, die jeweils als Sprecher*in auftritt. In der Überzeugung, dass Lebenserfahrung bei der moralischen Bewertung einen unhintergehbaren Stellenwert besitzt und dass zugleich die Erklärung von Interessenkonflikten ein zentrales ethisches Gebot darstellt, versteht sich auch dieser Beitrag als beides: als Gedankensammlung einer Medizinethikerin zum jetzigen Zeitpunkt des Pandemiegeschehens und als Ausdruck der Perspektive einer Mutter zweier (noch nicht schulpflichtiger) Kinder mit Wohnort Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern).

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18 Feb

Das Kind im Krankenhaus. Paternalismus zwischen Zwang und Kreativität

Anlässlich der Veröffentlichung des Handbuch Philosophie der Kindheit (J.B. Metzler 2019) bringt praefaktisch Texte zur Philosophie der Kindheit.


von Oliver Krüger (Hamburg)


Mündigen Erwachsenen kommen im Krankenhaus umfangreiche Aufklärungsrechte zu. Kindern hingegen werden diese Rechte nicht oder nur eingeschränkt zugeschrieben. Obwohl diese Einschränkung ihre ethische Bewandtnis hat, birgt sie die Gefahr, einen Freibrief für Zwang gegenüber Kindern auszustellen. Allein die Notwendigkeit einer medizinischen Intervention im Krankenhaus rechtfertigt keinen uneingeschränkten Paternalismus gegenüber Kindern. Notwendig ist dagegen eine besondere Kreativität der Eltern und des medizinischen Personals, die nicht rein zweckbezogen ist, sondern ein eigenes Rechtfertigungselement einer ethischen Durchführung medizinischer Interventionen darstellt.

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