12 Jan

Darf ich Sie auf ein Gedankenexperiment einladen?

Von Štefan Riegelnik (Zürich/Wien)


In unseren Gedanken können wir uns Szenarien vorstellen, die mit der Realität nichts zu tun haben. In diesem Beitrag möchte ich der Frage nachgehen, ob uns dabei Grenzen gesetzt sind. Und falls ja, welche? Oder können wir uns beliebige Szenarien denken? Ich möchte auf einige Aspekte dieser Frage eingehen und andeuten, wie wir mit Gedankenexperimenten an Grenzen stoßen.

Weiterlesen
05 Jan

Ein «Experiment der reinen Vernunft»: Kants Erfindung des philosophischen Gedankenexperiments

Von Jelscha Schmid (Basel)


Gedankenexperimente haben die Philosophie insofern schon immer beschäftigt, als solche Experimente schon immer Teil dessen ausgemacht haben, was es heisst zu philosophieren. Eine explizite Debatte über das, was ein Gedankenexperiment ist, entsteht aber erst viel später, nämlich einerseits als Teilgebiet der Wissenschaftsphilosophie und andererseits als Teilgebiet der Metaphilosophie. Wie und wann aber entstand dieses Nachdenken über und nicht nur mit Gedankenexperimenten? Entgegen der gängigen Auffassung führt uns eine Antwort auf diese Frage zurück zu Immanuel Kant (1724-1804) und seinem kritischen Unterfangen, «das bisherige Verfahren der Metaphysik» zu revolutionieren (Bxxii).

Weiterlesen
15 Dez

Boris liest etwas, das nicht aufgeht, und schaut “House of Cards”

Erzählung als Gedankenexperiment

Von Veronika Reichl (Berlin)


Dies ist eine Erzählung über das Lesen von Hegel und darüber, wie man mit seinen Aufhebungen umgehen könnte. Sie ist auf der Basis von Interviews mit Hegelleser*innen entstanden, doch ich ordne Motive und Beobachtungen, Thesen und Erfahrungen aus verschiedenen Interviews neu an. Ich kürze, was die Erzählung sprengt. Ich spekuliere und entwerfe Zusammenhänge, während ich eine Fiktion formuliere, als wäre sie geschehen. Und so fange ich an:

Weiterlesen
01 Dez

Undenkbare Gedankenexperimente

Von Fabian Börchers (Berlin)


Was macht man in einem philosophischen Gedankenexperiment? Eine vorläufige und prima facie plausible Antwort lautet so: In einem philosophischen Gedankenexperiment stellt man sich einen Gegenstand, einen Sachverhalt, eine Situation vor, die man in der Realität so nicht antrifft oder vielleicht nicht antreffen kann und wertet diese Vorstellung aus, um philosophische Schlussfolgerungen aus ihr zu ziehen. Was aber, wenn eine wichtige und einflussreiche Gruppe von Experimenten von dieser Bestimmung gerade nicht getroffen wird?

Weiterlesen
18 Nov

Philosophische Gedankenexperimente sind nur was für Philosoph*innen? DenXte!

Von Amrei Bahr & Markus Schrenk (Düsseldorf)


Philosophische Gedankenexperimente sind Experimente einer besonderen Art: Jede*r kann sie durchführen! Aber der Reihe nach. Was sind überhaupt philosophische Gedankenexperimente? Was können wir damit anfangen? Und inwiefern können sie auch von Nicht-Philosoph*innen gewinnbringend angestellt werden?

Weiterlesen
17 Nov

Verschont das Denken mit Experimenten. Oder: Warum Gedankenexperimente in Philosophie und Moral nichts zu suchen haben

Von Falk Bornmüller (Halle-Wittenberg)


Es scheint ganz einfach zu sein: Gedankenexperimente sind Experimente in Gedanken – und da beide Komponenten dieses Wortes positiv besetzt sind, wird das charmant verkuppelte Kompositum in philosophischen Kontexten mittlerweile derart rege und affirmativ gebraucht, als verstünde es sich bereits von selbst, was Experimentieren in Gedanken zu bedeuten habe. Dabei evoziert das Wort „Gedankenexperiment“ eine latent szientistische Vorstellung, die gerade im Bereich der Praktischen Philosophie kritisch zu betrachten ist.

Weiterlesen
11 Nov

Gedankenexperimente zwischen Himmel und Erde

Von Yiftach Fehige (Toronto)


Einst war es möglich, im Laufe eines Wochenendes zu Experten*innen in Sachen Gedankenexperimente zu werden. So wenig Literatur gab es dazu. Das kann man sich kaum noch vorstellen, wenn man sich vor Augen führt, wie viele Monographien, Anthologien und Fachzeitschriftenartikel es heute zum Thema gibt. So blickt etwa sehr wirkungsvoll der Kanadier James R. Brown zum Platonischen Himmel, um zu erklären, wie uns Gedankexperimente Wissen über die Welt verschaffen können. Manfrau kann aber noch viel höher hinaus. Das legen zumindest die Gedankenexperimente der Offenbarungstheologie nahe.

Weiterlesen
05 Nov

Was taugen philosophische Gedankenexperimente? Zur Ethik des Kontrafaktischen

Von Florian Arnold (Stuttgart)


Wer sich in seinem Leben länger an philosophischen Instituten aufgehalten hat, dem dürfte die Situation schon einmal untergekommen sein, dass im Zuge einer Seminarübung, ausgestattet mit einem oder mehreren Texten und befeuert durch den didaktischen Übermut des Dozierenden, die Welt in Gedanken kurzerhand auch einmal vernichtet werden kann – wenn auch in der erklärten Absicht, sie wieder aufzubauen. Wer zudem noch im Heidelberg der Nullerjahre die Gelegenheit hatte, den Gedankengängen eines äußerst jungen, begeisternden Dozenten zu folgen, die nicht selten in einem skeptischen Szenario eines totalen Verblendungszusammenhangs mündeten, der mag sich seinerseits heute nicht mehr wundern, dass es die Welt nicht geben soll und der Geist zu einer Fiktion par excellence geworden ist. – Aber kann man das so einfach: Szenarien im Kopf entwerfen, daraus Konsequenzen entwickeln und zu guter Letzt behaupten, der Wahrheit näher gekommen zu sein? Klingt das nicht zu sehr nach dem Wunsch, die Differenz von Wunsch und Wirklichkeit zu verwischen? Und überhaupt, spricht hieraus nicht die berühmt-berüchtigte Weltfremdheit einer ewig alten Philosophenzunft: Kopfgeburten zur Welt zu bringen und bei Komplikationen eher die Existenzberechtigung der Welt in Zweifel zu ziehen? Kann man eine solche Weltverweigerungshaltung mit absolutem Wahrheitsanspruch heute noch ernst nehmen?

Weiterlesen
22 Okt

Vehikel der Unmittelbarkeit: Gedankenexperimente und Erkenntnis

Von Alexander Fischer (Basel)


Wir kennen Gedankenexperimente als kurze, im Kontext philosophischer Argumentation strategisch eingesetzte Narrative[i], die darauf abzielen, möglichst alle relevanten Aspekte einer Problemstellung zu vergegenwärtigen, Muster aufzuzeigen und Lösungsrichtungen innerhalb eines Arguments einsehbar zu machen. Das berühmte Höhlengleichnis Platons, das Straßenbahn-Dilemma Philippa Foots oder John Rawls’ Szenario vom Schleier des Nichtwissens sind nur drei bekannte und oft auch im philosophischen Unterricht eingesetzte Gedankenexperimente. Aufgrund ihrer unmittelbaren Bilderstärke führen sie effektiver als ein langer, rational-diskursiv verhandelnder Text in die innere Aushandlung. Gerade deshalb sind sie als didaktisches Mittel so beliebt und lassen sich gut in andere Formen wie Kurzfilme übertragen und künstlerisch variieren.[ii] Doch was genau ist es in ihrer Gestaltung, das sie im gelungenen Falle zu einem Vehikel unmittelbarer Einsicht werden lässt? Hierauf möchte ich ein kurzes Schlaglicht werfen.

Weiterlesen
06 Okt

Von fallenden Steinen und träumenden Menschen

Von Mathis Lessau (Freiburg)


Gedankenexperimente haben etwas Mysteriöses an sich. Da sitzt der Philosoph mit zugezogenen Vorhängen in seinem sprichwörtlichen Lehnstuhl und nutzt nichts weiter als das Laboratorium des Geistes, um neues Wissen über die Wirklichkeit zu generieren. So zumindest könnte es scheinen angesichts der enormen Überzeugungskraft, die von einigen berühmten Gedankenexperimenten der Wissenschafts- und Philosophiegeschichte ausgeht.

Weiterlesen