22 Aug

Nein, Sex ist nicht wie eine Tasse Tee

von Maya Burkhardt


„Entscheidungen bezüglich des Sexuallebens können Erwägungen über Aufrichtigkeit, Rücksicht auf andere, Klugheit oder die Schadensvermeidung für andere usw. einschließen, aber dasselbe ließe sich zu Entscheidungen sagen, die das Autofahren betreffen. (Tatsächlich sind die moralischen Probleme, zu denen das Autofahren Anlass gibt, sowohl vom Standpunkt der Umwelt als auch dem der Sicherheit, viel schwerwiegender als Probleme, die sich aus geschütztem Sexualverkehr ergeben.) Dieses Buch enthält demgemäß keine Diskussion über Sexualmoral. Es gibt wichtigere Fragen der Ethik, die zu bedenken sind.“

Das schreibt Peter Singer in der Einleitung der dritten Auflage seines Buches „Praktische Ethik“ zum Thema Sexualmoral in dem Bemühen, ernstzunehmende moralische Überlegungen von einem „System widerwärtiger puritanischer Verbote […]“ abzugrenzen, „[…] dass hauptsächlich dazu bestimmt ist zu verhindern, dass Menschen ihr Vergnügen haben.“[1] Singer nutzt den Vergleich mit dem Autofahren hier am Anfang seines Buches, um das Thema Sexualität aus seiner weiteren Auseinandersetzung herauszuhalten.

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10 Apr

Interview mit Mari Mikkola (Oxford)

Mari Mikkola ist Tutorial Fellow, Somerville College und Associate Professor, Faculty of Philosophy, an der University of Oxford. Davor war sie Juniorprofessorin und Professorin für Praktische Philosophie an der Humboldt Universität Berlin. Sie ist Vorstandsvorsitzende von SWIP Germany.


prae|faktisch: Wieso wolltest Du Philosophin werden? Haben Deine Herkunft (lokal, sozial) oder bestimmte Erfahrungen Dich zur Philosophie oder zu bestimmten philosophischen Fragen gebracht?

Mari Mikkola: Ich glaube, ich wollte nie so richtig Philosophin werden! Eigentlich bin ich mehr oder weniger zufällig hier gelandet. Meine Herkunft hat meinen philosophischen Werdegang so gut wie gar nicht beeinflusst. Ich bin im kalten und dunklen Nord-Finnland aufgewachsen, ohne große intellektuelle Einflüsse. Meine Eltern sind nicht akademisch ausgebildet (oder waren damals nicht – heute hat meine Mutter einen Magisterabschluss) und sie sind ganz normale Menschen. Philosophische Fragen haben wir zu Hause oder auch in der Schule nie diskutiert.

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