05 Sep

Pornographie und befreite Sexualität

von Anne Weber (Lübeck)


Pornographie, d.h. die graphische und literarische Darstellung menschlicher Sexualität im Dienste sexueller Erregung, ist so alt, wie die Menschheit selbst. Ob an Höhlenwänden, auf Bildern, VHS-Kassetten, im Internet oder mit virtual-reality-Brille, pornographische Artefakte sind zeiten-, länder- und kulturübergreifend präsent. Es ist zunächst auch jenseits ethischer oder pädagogischer bzw. rechtlicher Beurteilung des Phänomens deshalb nicht von der Hand zu weisen, dass Pornographie einen wichtigen Beitrag zur (Selbst-)Beschreibung menschlicher Sexualität leistet (Sven Lewandoswki).

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06 Aug

Ist die Alternative „Pornografie“ tatsächlich Pornografie?

von Natascha Bencze (Zürich)


Hinsichtlich des unbestreitbar grossen Einflusses, den der sexuelle Trieb auf unser Leben hat, scheinen den philosophischen Auseinandersetzungen mit der menschlichen Sexualität keine Grenzen gesetzt zu sein. Oftmals richten wir unser Verhalten, unsere Handlungen und Entscheidungen danach, was unsere potentiellen Chancen auf die Befriedigung unserer sexuellen Bedürfnisse erhöht. Welche Attribute dabei als besonders wirksam gelten und weshalb dies der Fall ist, sind Fragen, die sich einerseits mit den individuellen Vorlieben befassen, andererseits aber auch übertragen auf die Gesellschaft und in Bezug auf die Kultur untersucht werden. Kulturübergreifende Vergleiche können dabei äusserst aufschlussreich sein. In vielen Kulturkreisen gilt das Sprechen über dieses Anliegen jedoch als Tabu. Dass in einer Gesellschaft im öffentlichen Diskurs nicht darüber gesprochen wird, bedeutet jedoch nicht, dass die Bevölkerung ihren Vorlieben nicht nachgeht. Der Internetzugriff ermöglicht es uns heute, in wenigen einfachen Schritten pornografisches Material aufzurufen und meist kostenfrei anzusehen. Da es ebenso einfach ist, selbst Material hochzuladen, scheint es keine sexuelle Fantasie zu geben, welche von der Online-Welt der Pornografie nicht abgedeckt wird.

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20 Dez

Sollten wir alle Feministen sein? Feministische Bildung für junge Männer

von Johannes Giesinger (Zürich)


„We Should All Be Feminists“ – so lautet der Titel eines Ted-Talks, der von der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie im Jahre 2012 gehalten wurde und 2014 in Buchform erschien.[i] Der Titel traf gerade deshalb einen Nerv, weil der Begriff des Feminismus bei jungen Leuten heute nicht gut angeschrieben ist. Wenige männliche Jugendliche würden sich als „Feministen“ bezeichnen, und auch manche viele Frauen schrecken davor zurück, den Begriff auf sich selbst anzuwenden.

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25 Okt

Me Too – Es wäre zu schön gewesen, die Angst zu verschieben

von Maria Sagmeister (Wien)


Vor einiger Zeit wurde ich eingeladen, diesen Blogbeitrag zum Schlagwort #metoo[1] zu verfassen. Damals wurden gerade erste Täter_innen mit Konsequenzen konfrontiert und es sah fast so aus, als hätten es manche tatsächlich mit der Angst zu tun bekommen.[2] Es schien, als müsste nicht wieder und wieder dargelegt werden, dass rape culture Opfern sexueller Übergriffe ihre Glaubwürdigkeit raubt, im Zusammenhang mit Vergewaltigungsverfahren oft eine Täter-Opfer-Umkehr betrieben wird und sexuelle Belästigung kein Kavaliersdelikt ist. Von wegen. In den letzten Wochen wurde in den USA Brett Kavanaugh[3] trotz Vergewaltigungsvorwurf zum Höchstrichter ernannt – was der Behauptung, dass ein solcher Vorwurf einen Mann bzw seine Karriere zerstören kann, endgültig den Wind aus den Segeln nimmt, Trump aber nicht daran hindert, zu verbreiten, dass die heutige Welt in dieser Hinsicht besonders für Burschen eine gefährliche ist.[4] Etwa zur gleichen Zeit wurde in Österreich Sigrid Maurer wegen Übler Nachrede schuldig gesprochen, nachdem sie sexistische, übergriffige Nachrichten inklusive dem Namen des Klägers veröffentlicht hatte.[5] Hallo Backlash.

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