08 Nov

Zur Relevanz einer psychologisch informierten Moralphilosophie: Eine Replik auf Königs

von Christoph Bublitz (Hamburg)

In einem jüngst in diesem Blog erschienenen Beitrag taxiert Peter Königs die Relevanz der  moralpsychologisch informierten Moralphilosophie (MiM) als gering. Sein Beitrag durchzieht das Bemühen, die Erträge der in den vergangenen Jahren international aufblühenden Forschungsrichtung an der Schnittstelle von Empirie und Philosophie in die Nähe des ad hominem Fehlschlusses zu rücken. In der Tat beziehen sich normative Argumente der MiM regelmäßig auf psychologische Aspekte moralischen Urteilens wie  Rationalisierungen, Unvoreingenommenheit oder Unparteilichkeit und damit notwendigerweise auch auf die Person des moralischen Urteilenden. Doch Schlüsse von psychologischen auf normative Eigenschaften seien, so Königs, ad hominem und damit jedenfalls in akademischen Debatten unzulässig. Im besten Falle lieferten sie „ressourcensparende, aber ungenaue“ Heuristiken. Erkenntnisgewinne in der Sache seien durch die MiM nicht zu erwarten. Mehr noch: die Argumente Joshua Greenes, einem der Protagonisten des Feldes, stellten gar eine „empirisch informierte Beleidigung“ bzw. „Diffamierung“ von Andersdenkenden, namentlich Deontologen, dar.

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06 Nov

Über das empirisch informierte Beleidigen von Kollegen

von Peter Königs (Karlsruhe)


Akademische Debatten unterliegen bestimmten Diskursregeln. Dazu zählen etwa die Pflicht, bereits existierende Forschungsliteratur zu berücksichtigen, die Pflicht, das Principle of Charity zu achten und auch die Pflicht, Argumente inhaltlich zu prüfen, anstatt einfach deren Urheber persönlich anzugreifen. Dass ad hominem-Attacken unzulässig sind, vielleicht sogar Fehlschlüsse, lernt jeder Philosophiestudent im ersten Semester. Was jedoch genau das Problem ist mit ad hominem-Attacken, ist – überraschenderweise – gar nicht so klar, wie man zunächst meinen würde. Und – vielleicht auch etwas überraschend − wirft eine aktuelle moralpsychologische Debatte genau diese Frage auf.

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02 Okt

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Experimentelle Philosophie und die Qualität empirischer Daten

von Thomas Pölzler (Graz)


Stellen Sie sich vor, Sie fragen einen Bekannten nach seiner Meinung zum neuen österreichischen Arbeitszeitgesetz. „Bedenklich“, antwortet er in festem Tonfall. Sie nicken zustimmend und lehnen sich zurück. Einen Moment später jedoch realisieren Sie, dass Ihr Bekannter gar nicht von seinem Handy aufgesehen hat. Seine Antwort hat er überdies schon gegeben, noch bevor Sie Ihre Frage ganz ausgesprochen hatten. Und als Sie ihn nun bitten, seine Meinung zu begründen, bemerkt er nur, dass das Arbeitszeitgesetz im Juni eingebracht worden sei. – Sie werden unsicher. Ist Ihr Bekannter wirklich der Ansicht, dass das Gesetz bedenklich ist?

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06 Sep

Philosophisches Außenministerium gibt Entwarnung: Lehnstühle sicher vor experimentellen Philosophen

von Paul Rehren (Bielefeld)


Als ich das erste Mal nach Braunschweig gekommen bin, war ich ziemlich positiv überrascht. Ich hatte mir eine etwas heruntergekommene Braunkohlestadt ausgemalt. Stattdessen stellte sich die Stadt als grün, wohnlich und insgesamt sehr angenehm heraus. Woher kamen meine Vorurteile? Schwer zu sagen. Doch in jedem Fall hätten sie mit einiger Wahrscheinlichkeit dafür gesorgt, dass mir, wäre meine Freundin nicht vor einiger Zeit dorthin gezogen, ein wirklich schönes Fleckchen Erde in Deutschland entgangen wäre.

Hier möchte ich vorschlagen, dass etwas ganz Ähnliches auf einen bestimmten Fleck auf der philosophischen Landkarte zutrifft: Die experimentelle Philosophie. Auch die experimentelle Philosophie hat ihren BesucherInnen und AnwohnerInnen viel zu bieten; auch in ihrem Fall werden, so denke ich, einige durch irrigen Ansichten davon abgehalten, vorbeizuschauen.

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