16 Jun

Quellen der Autorität

Von Claudia Wirsing (Braunschweig)


Dass Autonomie nur darin bestehe, seinen eigenen Gesetzen zu gehorchen, hat G.W.F. Hegel schon 1801 in seiner Differenzschrift kritisiert. Eine solche moraltheoretische Auffassung zerstöre nur die „innere Harmonie“. Stattdessen gilt: „Uneinigkeit und absolute Entzweiung machen das Wesen des Menschen aus.“ (DS, S. 88) Der Mensch habe deshalb, so Hegel, nach einer Einheit zu suchen, die zu finden er jedoch nicht im Stande ist, wenn er das „Gebietende“ nur in den Menschen selbst verlegt. Vielmehr braucht es ein Maß an Widerständigkeit, damit er auch wirklich als autonomes Ich verstanden werden, und sich selbst als Autorität verwirklichen kann.

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20 Mrz

Der Corona-Staat oder: Politische Autorität in Zeiten der Pandemie

Von Andreas Wolkenstein und Johannes Kögel (München)

Man kommt nicht umhin angesichts der gegenwärtigen Pandemie und der zu ihrer Bekämpfung ins Leben gerufenen Maßnahmen Michel Foucaults „Überwachen und Strafen“ (1993) aus dem Bücherregal hervorzuziehen. Foucault beschreibt die von der Pest bedrohte Stadt des 17. Jahrhunderts: Es herrscht striktes Ausgangsverbot, die Stadtgrenzen wurden dicht gemacht, die gesamte Stadt steht unter Quarantäne. Unvermeidbare Freigänge werden so koordiniert, dass man sich dabei nicht begegnet. Der Stadtraum wird in Zellen unterteilt, deren Straßen und Plätze von offiziellen Wächtern patrouilliert und überwacht werden. Namen und Adressen der Bewohner werden erfasst, Fälle (Infektions- und Todesfälle) werden protokolliert und systematisiert.

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