05 Mai

Polemisch und beleidigend sind immer die anderen: Zu Daniel Lucas’ Invektiven gegen mich

von Uwe Steinhoff (Hongkong)


Daniel Lucas mag meine Kritik an den Ausführungen Heiner Kochs und Deborah Mühlebachs zur GAP und zur causa Kathleen Stock nicht. Angeblich hätten Koch und Mühlebach sich um eine „Versachlichung“ der Debatte bemüht. Keineswegs. Wie meine Kritik zeigt, ergehen sie sich in einer Reihe von Unterstellungen. Lucas tut es ihnen nach, nun in Bezug auf mich.

So meint er, es stelle „sich die Frage, inwiefern Beiträge als relevanter Teil einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung auftreten, die etwa solche Absätze beinhalten”:

„Wenn der GAP an offener Diskussion gelegen ist, sollte sie Begrifflichkeiten vermeiden, welche sich eher für das einstige Sowjetregime mit seiner ausgeprägten Neigung eignen, Dissidenten als Geistesgestörte in die Psychiatrie zu sperren. Umgekehrt freilich ist die Popularität solcher Begrifflichkeiten im ‚woken‘ linksautoritären Milieu nur die Fortsetzung der eigenen Tradition.“ (Dieses Zitat ist aus meinem Text)

Und er erklärt: “Es hilft wenig zur Versachlichung der Debatte, wenn man seine Gegner*innen in die Nachfolge stalinistischer Vernichtungspolitik setzt.”

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28 Jan

Erwiderung auf die Stellungnahme von Heiner Koch und Deborah Mühlebach zur Stellungnahme der GAP zu Kathleen Stock

Hinweis der Redaktion: Wir möchten an dieser Stelle nochmals betonen, dass wir dazu einladen, Repliken auf Blogbeiträge zu schreiben und uns zu schicken. Wir teilen durchaus nicht alle auf diesem Blog veröffentlichten Meinungen, Argumente und Thesen, veröffentlichen Texte jedoch nur dann nicht, wenn sie klar gegen wissenschaftliche Regeln der Philosophie verstoßen oder jenseits dessen liegen, was uns als eine vertretbare Auffassung erscheint. Auch diese policy kann natürlich kritisiert werden.


von Uwe Steinhoff (Hongkong)


Heiner Koch und Deborah Mühlebach kritisieren auf praefaktisch die Stellungnahme der Gesellschaft für analytische Philosophie (GAP) zum Fall Kathleen Stock. Mir gefällt die Stellungnahme auch nicht – aber aus ganz anderen Gründen. Einige davon lege ich zunächst dar, bevor ich mich den Einlassungen Kochs und Mühlebachs zuwende.

So erklärt die GAP: „Analytische Philosophie hat sich den Idealen der Klarheit, der Genauigkeit und der offenen, kritischen Debatte verschrieben.” In der Tat. Aber zur Klarheit gehört, dass man hinreichend klar definierte Begriffe benutzt. Die GAP verkündet jedoch: “Transphobie ist wie Homophobie, Rassismus, Islamophobie und Antisemitismus eine Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, die zu Recht moralisch geächtet ist.“ Ob das so ist, hängt aber eben davon ab, wie die Begriffe definiert werden. Den Vorwurf zum Beispiel, dass der Begriff „Rassismus“ völlig inflationär gebraucht werde, gibt es schon seit langem, und er wurde auch von analytischen Philosophen diskutiert. Derweil diese von interessierten Kreisen betriebene Inflation dazu dienen soll, ihnen missliebige aber akzeptable Praktiken oder Vorstellungen dadurch zu diskreditieren, dass man sie mit dem aufgeladenen Wort „Rassismus“ bezeichnet, ist philosophisch freilich der umgekehrte Schluss zu ziehen: Wenn diese akzeptablen Praktiken rassistisch sind, dann gibt es in diesem Sinne von Rassismus völlig akzeptablen Rassismus.

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18 Jan

Stellungnahme zur Stellungnahme der GAP «Für eine freie und kritische Auseinandersetzung in den Wissenschaften»

von Heiner Koch und Deborah Mühlebach


Die Stellungnahme der GAP zum Fall Kathleen Stock suggeriert, dass eine wissenschaftlich neutrale Auseinandersetzung mit politisch relevanten Fragen möglich ist. Weil wir anders als die GAP davon ausgehen, dass Wissenschaftsfreiheit nicht losgelöst von bestehenden Machtverhältnissen in- und außerhalb der Universität gedacht werden kann, halten wir dies für falsch.

Die GAP plädiert in ihrer Stellungnahme zum Fall Stock für eine freie und kritische Auseinandersetzung in den Wissenschaften – oder kurz Wissenschaftsfreiheit. Das klingt zunächst nach einer Forderung, der kaum widersprochen werden kann. Bei genauerer Betrachtung ist es angesichts der Komplexität des ganzen Falls Stock jedoch erstaunlich, welches konkrete Problem die GAP als das zentrale hervorhebt.

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16 Jun

Wissenschaftsfreiheit in der Demokratie oder Wozu ist das Gut der Wissenschaftsfreiheit gut?

Von Elif Özmen (Gießen)


Es ist kein Zufall, dass die Freiheit der Wissenschaft, Forschung und Lehre unter ein und denselben Art. 5 GG fallen mit der Freiheit der Meinung, Information, Presse und Kunst. Der Verbund dieser Kommunikationsgrundrechte dient dem Schutz einer kritischen Öffentlichkeit, die als unverzichtbar gilt für den Bestand und das Prosperieren der Demokratie. Zwar ist Wissenschaftsfreiheit kein universelles Menschen- oder Bürgerrecht. Aber ihre förderlichen Wirkungen entfaltet sie nicht nur innerhalb wissenschaftlicher Institutionen und Tätigkeitsfelder, sondern auch im Verhältnis zur Gesamtgesellschaft.

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12 Jun

Versuch einer Verständigung – anstelle einer Replik zur Replik Dieter Schöneckers

Von Peggy H. Breitenstein (Jena)


Eigentlich ist der Einsatz für die Wissenschaft und ihre Freiheit zu wichtig und gewichtig, um kleine Streitgespräche zu führen. Aber da sich Dieter Schönecker die Mühe gemacht hat, eine Replik zu meinem Beitrag zu schreiben, nehme ich seine Einwände als Anlass, die Diskussion fortzusetzen und mich an einigen Stellen verständlicher auszudrücken oder auch selbstkritisch zu präzisieren.

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03 Jun

Konkretes zur Frage, warum ein Netzwerk Wissenschaftsfreiheit gebraucht wird

Von Maria-Sibylla Lotter (Bochum)


Auf Praefaktisch.de sind zwei kritische Artikel zum Netzwerk Wissenschaftsfreiheit erschienen, die zeigen, dass Philosophen und Philosophinnen auch dann rein spekulativ arbeiten können, wenn sie es nicht mit Metaphysik, sondern Wissenschaftspolitik zu tun haben. Gibt es Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit? Bevor wir uns erneut in ideologische Scheingefechte begeben, möchte ich diese Frage ganz unspekulativ mit der Darstellung eines unserer aktuellen Fälle beantworten. Betroffen davon ist ausgerechnet der wohl unter deutschen Philosophen konsequenteste Verfechter der Wissenschaftsfreiheit Georg Meggle, der sich schon in den Achtzigern für eine freie Diskussion von Peter Singers Thesen eingesetzt und damals die Gesellschaft für Analytische Philosophie gegründet hatte, um die freie Diskussion auch heikler Themen zu ermöglichen.

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02 Jun

Replik auf Breitenstein

von Dieter Schönecker (Siegen)


Das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit wurde seit seiner Gründung im Februar dieses Jahres von durchaus gebildeten Menschen u. a. als (ich zitiere) tiefschwarz reaktionär, rechts, rechtsradikal und rassistisch bezeichnet, als Horde Ahnungsloser, als Gruppe alter weißer cis-Menschen mit Prof. Dr. vorm Namen und Angst vor Gendersternchen, als ein Netzwerk zur Rehabilitierung Hitlers, das neurechte Botschaften verbreite sowie riskante Desinformation, das dem Rechtspopulismus einen Nährboden akademischer Autorität biete und das zudem (in meiner Person) Antisemiten, Schwulenhasser und Rassisten verteidige.

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31 Mai

Jargon der Unsachlichkeit. Kriegsmetaphorik im Namen der Wissenschaftsfreiheit

Von Peggy H. Breitenstein (Jena)


Nachdem das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit (NW) im Februar 2021 äußerst aufmerksamkeitserregend in die virtuelle Welt des WWW getreten ist, erfährt es langsamen, aber stetigen Zuwachs: Die Zahl der Mitglieder wuchs von anfänglich 70 auf inzwischen knapp 500. Allerdings findet es nicht nur Zuspruch und es wird zu Recht immer wieder darauf verwiesen, dass für die Behauptung, die Wissenschaftsfreiheit sei in Gefahr, belastbare empirische Daten bisher nicht erbracht wurden.

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24 Mrz

Im Namen von Wissenschaftsfreiheit. Eine Replik

von Dieter Schönecker (Siegen)


Dieser Blogbeitrag kann auch als Podcast gehört und heruntergeladen werden:


Das neue Netzwerk Wissenschaftsfreiheit (NW) ist in kürzester Zeit um mehrere hundert Mitglieder gewachsen. Aber es hat auch zahlreiche Kritiker, ja Feinde, die es als „rechts“ abtun oder als überflüssiges Spektakel. Auf praefaktisch hat auch Alexander Reutlinger das NW attackiert: Es gehe dem Netzwerk gar nicht um Wissenschaftsfreiheit. Mit der Verletzung von Wissenschaftsfreiheit durch wissenschaftsexterne Kritik befasse es sich nicht, innerwissenschaftliche Kritik sei dagegen die übliche Praxis in den Wissenschaften. Viel Feind, viel Ehr, könnte man denken. Aber die Ehre gibt’s nur, wenn der Feind stark ist. Die Waffen von Reutlinger, so werde ich zeigen, sind stumpf.

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09 Mrz

Wissenschaftsfreiheit? Nur dem Namen nach! Ein kritischer Kommentar zum „Netzwerk Wissenschaftsfreiheit“

Von Alexander Reutlinger (München)


Eine Gruppe von Wissenschaftlern und Philosophen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hat Anfang Februar das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit[1] gegründet. Das Netzwerk möchte Verletzungen der Wissenschaftsfreiheit dokumentieren und kritisieren.

Hat dieses Netzwerk nicht ein hehres Ziel? Muss nicht jeder Wissenschaftler, jeder Bürger, aufschreien, wenn die Erforschung und Lehre bestimmter Fragen staatlich verboten oder Universitäten ihre Autonomie genommen wird (wie gegenwärtig in Ungarn, der Türkei oder Serbien, um nur einige Beispiele in Europa zu nennen)? Muss man sich nicht z.B. mit der Central European University solidarisch zeigen, weil diese aufgrund eines 2017 von der ungarischen Regierung verabschiedeten Gesetzes („Lex CEU“) Budapest verlassen und nach Wien umziehen musste? Ja, man muss selbstverständlich solche Missstände klar als Verletzungen der Wissenschaftsfreiheit benennen und kritisieren. Aber muss man deswegen auch das neue Netzwerk unterstützen? Nein, das muss und sollte man keineswegs.

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