17 Mai

Romantischer Republikanismus

Von Philipp Hölzing (Berlin)


»Gut für die Poesie, schlecht für die Politik.«[1] So lautet ein geläufiges Urteil über die Romantik, die als Entstehungsherd des modernen Irrationalismus gilt und vom Nationalsozialismus bis zu den heutigen Querdenkern für Allerlei verantwortlich sein soll. Dagegen wird hier die These verfochten, dass wir am Beispiel Friedrich Schlegels in der Frühromantik eine progressive politische Philosophie antreffen, die eine Radikalisierung des politischen Denkens der Aufklärung betreibt. In Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution, mit dem philosophischen Denken seiner Zeit und insbesondere mit Immanuel Kant radikalisiert Schlegel dessen kosmopolitischen Republikanismus.

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26 Apr

Zum 250. Geburtstag: über Schlegels „wirklich schlechtes Buch“ und warum es gelesen werden sollte

Von Max Brinnich (Wien)


Friedrich Schlegel wurde sicher für vieles hochgerühmt, für manches aber gleichermaßen tief verdammt: sein Konzept der Universalpoesie etwa, das keine Grenzen mehr kennt, zwischen Literatur und Philosophie einerseits und zwischen Kunst und Natur und Leben und Poesie andererseits, oder auch sein frühes Verständnis der Grundzüge der hermeneutischen Methode und des Perspektivenwechsels, den diese erforderlich macht – dass einen Text zu verstehen eben weit weniger bedeutet, den ursprünglichen Intentionen seines Autors nachzuspüren, sondern vielmehr selbst Hand anzulegen, selbst Kritik zu üben –, aber auch seine tragende Rolle innerhalb der Romantik und noch vieles mehr haben ihn zeitlebens als feingeistigen Denker bekannt und später dann zu einer zentralen Figur der deutschsprachigen Ideengeschichte gemacht. Weniger bekannt sind seine literarischen Bemühungen. Diese haben seinen Ruhm nicht gerade vermehrt.

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15 Mrz

Mensch-Natur-Verhältnis revisited. Eine Replik auf Giulia Valpione

Von Kira Meyer (Kiel)


Giulia Valpione plädiert für die Wiederaufnahme romantischer Motive, um die Mensch-Natur-Beziehung neu zu konzeptualisieren. In ihrer Forderung nach einer notwendigen Überarbeitung dieses Verhältnisses möchte ich Valpione beipflichten, jedoch auf einen weiteren wichtigen Diskussionsstrang verweisen, der mir dafür unerlässlich erscheint: Die Berücksichtigung der Leiblichkeit des Menschen, wie sie in der (Neuen) Phänomenologie entwickelt wurde, und die darin begründete Zugehörigkeit zur Natur. Somit könnte dargelegt werden, was bei Valpione beziehungsweise den RomantikerInnen im Vagen verbleibt: Die behauptete Nähe des Menschen zur Natur ist in seiner Leiblichkeit begründet, den Leib als Natur zu verstehen würde zudem wichtige normative Implikationen sowie ein modifiziertes Freiheits-Verständnis mit sich bringen.

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15 Feb

Mensch und Natur in der Romantik – Eine romantische Ökologie

von Giulia Valpione (Padua)


Die Romantik reflektiert über die Stellung des Menschen innerhalb der Natur aus wissenschaftlich-naturwissenschaftlicher, metaphysischer und politischer Perspektive. In einer Zeit wie der heutigen, in der die Folgen der ökologischen Krise nicht mehr zu leugnen sind – Anstieg des Meeresspiegels, Verschlechterung der Luftqualität, zunehmende Dürre in ehemals fruchtbaren Gebieten, immer häufiger auftretende Wetterphänomene, die früher als “außergewöhnlich” galten, und natürlich die aktuelle Pandemie – halte ich es für unerlässlich, zu den Werken der deutschen Romantiker (einschließlich F. Schlegel und Novalis) zurückzukehren, um nach konzeptionellen Werkzeugen zu suchen, mit denen wir unsere Beziehung zur Natur neu überdenken können.

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03 Feb

»Denken dichten. Philosophische Poetologien jüngerer und ältester Gegenwart« – Ein Vorwort

Von Florian Arnold (Stuttgart und Offenbach)


Lyrik genießt derzeit freudigen Zuspruch. Eine rege Szene, insbesondere im deutschsprachigen Raum, ist in den letzten zehn-fünfzehn Jahren durch weithin beachtete Veröffentlichungen, gutbesuchte Lesungen, aber auch poetologische-programmatische Reflexionen einem größeren Publikum bekannt geworden. Darunter finden sich Bestseller von einem späteren Büchner-Preisträger (Jan Wagners Regentonnenvariationen von 2014), experimentierfreudige Produktions- und Lebensgemeinschaften (kookbooks), aber auch parauniversitäre Forschungsprojekte (Spekulative Poetik) auf der Grenze zwischen Wissenschaft und Kunst. So fehlt es weder an euphorischen Suggestionen in einer neuen „Blütezeit der Lyrik“[1] zu leben noch an halbironischen Hassliebe-Bekundungen, von den Prätentionen dieser Gattung nicht lassen zu wollen, auch wenn ein beständiges Scheitern der Sache nach unvermeidlich, ja geradezu gefordert scheint.[2]

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25 Jan

Residuale ›Romantik‹ – im Vermissen des Fehlenden selbst

von Burkhard Liebsch (Bochum)


Der »Verfall« der Romantik, so wie er von Hegel über R. Huch, R. Welleck, O. Pöggeler und K. H. Bohrer bis hin zu R. Safranski beschrieben worden ist, war ihr vielleicht von Anfang an vorgezeichnet und bereits nach wenigen Jahren besiegelt. Ungeachtet dessen (oder vielmehr gerade deshalb) scheint es, als wolle die vorherrschende Trivialisierung des Romantischen nicht zum Ende kommen. Ein schöner Sonnenuntergang genügt, um in der Werbung genauso leicht den Anschein des Romantischen zu erwecken wie durch das notorisch Pittoreske und Idyllische, diese gnadenlosen Klischees, die man um jegliche Ferne gebracht hat. Ironischerweise könnte gerade darin ein tieferer Grund für Renaissancen der Romantik in der Suche nach dem liegen, was fern bleibt und bis auf kümmerliche Reste getilgt erscheint, wo das Romantische gängige Münze geworden ist.

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