24 Okt

Geld als Instrument der Unterdrückung

von Christian Neuhäuser (TU Dortmund)


Niemand bestreitet, dass man zu wenig Geld haben kann. Absolut arme Menschen haben mit weniger als 2 Dollar pro Tag auf jeden Fall zu wenig Geld. Viele Menschen glauben auch, dass ihre relativ armen Mitmenschen mit nur 50 oder 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zu wenig Geld haben. Wer in Deutschland mit weniger als 900 Euro im Monat auskommen muss, ist auf diese Weise relativ arm. Und tatsächlich bleibt nach den laufenden Kosten für Miete, Mobilität, Digitalität und den Kosten für Lebensmittel, Kleidung und Sport sowie zumindest kleine Rücklagen für den Ersatz der kaputten Waschmaschine oder des kaputten Fernsehers nicht viel übrig. Wahrscheinlich bleibt sogar gar nichts übrig und am Ende des Monats muss der Gürtel enger geschnallt werden.

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12 Sep

Geld und Babys: Leihmutterschaft und die Kosten der sozialen Reproduktion

von Anna Schriefl (Bonn)


Welche Dinge dürfen Geld kosten? Und welche Dinge sollten auf keinen Fall kommerzialisiert werden? Mit besonderer Heftigkeit wird immer wieder diskutiert, ob Menschen sexuelle Dienste für Geld anbieten und kaufen dürfen, also ob Sexarbeit legal sein darf oder nicht. Dieselbe Debatte findet neuerdings mit Blick auf kommerzielle Leihmutterschaft statt, mit auffallend ähnlichen Positionen und Argumenten.

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29 Aug

Die ethische Relevanz des Geldes

von Edeltraud Koller (Frankfurt a. Main)


Die Wirtschaftswissenschaften verstehen Geld herkömmlich recht nüchtern als Mittel, um verschiedene Waren und Dienstleistungen zu tauschen und deren Wert festzulegen. Das Geld erleichtert den Austausch, weil Güter verkauft bzw. gekauft werden können, ohne auf den direkten Tausch Ware gegen Ware angewiesen zu sein. Es ist somit zunächst schlicht das Mittel für die Zahlung, zum Rechnen, für die Bewertung und zur Wertaufbewahrung.

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20 Jun

Zu viel vom Falschen?Das Geld und die Moral

von Eric Achermann (Münster)


Es ist durchaus bemerkenswert, welch routiniertes Verständnis Religionen einerseits entgegengebracht, andererseits aber allem Möglichen, was dieser oder jenem als überbewertet erscheint, alsbald der Schimpfname ‚Religion‘ verpasst wird. So seien Technik, Konsum, Fußball, Stars, Autos, Influencer u.a.m. allesamt Gegenstände religiöser Verehrung. Auch das Geld darf da nicht fehlen. Die Religion Geld aber, das muss man ihr lassen, kann auf eine Ahnengalerie zurückblicken, die es unter allen Ersatzreligionen mutmaßlich zur ältesten macht, nimmt man das Goldene Kalb mal aus.

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04 Jun

Warum ist es moralisch problematisch, zu viel Geld zu haben?

von Matthias Kramm (Utrecht)


Bis zu der Scheidung von seiner Frau MacKenzie bleibt Jeff Bezos mit einem Besitz von 131 Milliarden Dollar der reichste Mann der Welt. Dicht auf ihn folgt Bill Gates mit 96,5 Milliarden Dollar. Die Aldi-Süd-Erben Karl Albrecht Junior und Beate Heister landen mit 36,1 Milliarden Dollar auf Platz 23 der Forbes-Liste[1]. Laut Statista[2] besaßen deutsche Bundesbürgerinnen und Bundesbürger im Jahr 2017 ein durchschnittliches Pro-Kopf-Geldvermögen von 52.390 Euro. In Österreich betrug das Pro-Kopf-Geldvermögen 53.980 Euro und in der Schweiz erstaunliche 173.990 Euro. Auch wenn noch Vermögenswerte wie Haus, Auto etc. dazu kommen würden, bleibt der Vergleich schwindelerregend: Jeff Bezos und Bill Gates würden jeweils immer noch mehr als 490.000 Schweizer, 1,5 Millionen Österreicher oder 1,6 Millionen Deutsche besitzen.

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25 Apr

Only spenders

von Simon Derpmann (Münster)


Omar Little aus David Simons The Wire verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Ausrauben von Drogenhändlern in Baltimore, und er hat sein Handwerk gelernt. In allen Schichten des Drogenkosmos ruft das Pfeifen, mit dem Omar sich ankündigt, eine Mischung aus Furcht und Respekt hervor. Er unterscheidet sich von einem Großteil der Angehörigen dieses Kosmos, weil er eine Art öffentlicher Intellektueller des kriminellen Milieus ist. Als Omar eine Runde von Kriminellen beim Pokerspiel im Hinterzimmer einer Kneipe überfällt, bestiehlt er under anderem den aufstrebenden Drogenbaron Marlo Stanfield, der Omar mit der Warnung “That’s my money” versieht. Omar weist Stanfields Bemerkung mit einer lapidaren Antwort zurück: “Man, money ain’t got no owners. Only spenders.” Geld ist kein Eigentum.

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