14 Sep

Feminist Strike: Frauen machen Revolution.

von Maria Robaszkiewicz (Paderborn)


Der Begriff des feministischen Streiks rückt wieder ins Zentrum feministischer Debatten, diesmal durch das Buch von Verónica Gago, Feminist Inernational. How to change everything.[1] Gago und ihre Compañeras vom Kollektiv Ni una menos gerieten auch ins Blickfeld der Mainstream-Medien, als kurz vor dem Ende des letzten Jahres in Argentinien ein Gesetz verabschiedet wurde, das die kostenlose Abtreibung bis zur 14. Schwangerschaftswoche legalisiert. Die Massen von Aktivist*innen, die sich vor dem Argentinischen Nationalkongress versammelt haben, jubelten vor Freude.

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10 Aug

Warum ein flirtender Roboter moralisch problematisch ist

Von Carina Pape (Hildesheim)


Sara Ahmed bringt es in Feministisch leben! auf den Punkt: Wir sind die Spielverderberinnen. Zum Beispiel auf Familienfeiern. So, wie die Marianne auf Eugène Delacroix’ berühmtem Revolutionsgemälde die Tricolore, tragen wir die Fahne des Widerspruchs und steigen über die Leiche des feiertäglichen Familienfriedens. Dann, wenn beim Weihnachtsessen neben Braten und Rotkohl auch wieder einmal Vor-Urteile über Frauen oder Farbige aufgetischt werden. Von Menschen, die natürlich weder rassistisch noch frauenfeindlich sind. Musst Du immer die Stimmung ruinieren?

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29 Jul

Feministische Philosophie: Was, wie, weshalb?

von Christine Bratu (Göttingen) & Deborah Mühlebach (FU Berlin)


“Ach, du machst feministische Philosophie? Was genau ist das denn?“ Das sind in der Philosophie nach wie vor häufig gestellte Fragen. Ebenso sehen sich feministische Philosoph:innen zuweilen mit Nachfragen folgender Art konfrontiert: „Geschlechterunterdrückung ist zweifelsfrei ein wichtiges Thema, aber ist das denn auch philosophisch interessant?“ Solche Reaktionen auf feministische Forschungsinteressen erstaunen nicht, denn obwohl es im deutschsprachigen Raum schon seit Langem vereinzelte Philosoph:innen gibt, die feministisch arbeiten, fängt die deutschsprachige Fachgemeinschaft gerade erst an, feministische Philosophie im etwas größeren Stil für sich zu entdecken. Dies zeigt sich beispielsweise daran, dass manche große Fachtagungen erst neuerdings Sektionen zu feministischer Philosophie führen. Ebenso sind erst seit wenigen Jahren ein paar Stellenausschreibungen zu finden, die explizit nach dieser Spezialisierung fragen. Was also ist feministische Philosophie?

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15 Jul

Feminismus: Ein Blick in die Medizinethik

Von Regina Müller (Tübingen)


Das Wort Feminismus taucht in den deutschsprachigen Medizinethik-Debatten selten bis gar nicht auf. Dabei sind feministische Diskussionsfelder in der Medizinethik reichlich vorhanden, etwa die Auseinandersetzung mit Körpernormen oder der geschlechterbezogenen Datenlücke in der Medizin. Was ist also das Verhältnis von Feminismus und Medizinethik? Braucht die Medizinethik (mehr) Feminismus bzw. braucht es eine explizit feministische Medizinethik? Was wäre unter einer feministischen Medizinethik zu verstehen und was der Gewinn eines feministischen Programmes?

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29 Jun

Von schlechtem Sex zur patriarchalen Ehe? Überlegungen zu Fichtes Geschlechtertheorie in der Grundlage des Naturrechts (1796/7)

Von Esther Neuhann (Hamburg)


In seinem Werk Grundlage des Naturrechts nach Prinzipien der Wissenschaftslehre [GNR] schließt Johann Gottlieb Fichte von der vermeintlichen Tatsache, dass die Frau[1] beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr eine rein passive Rolle einnehme, auf die Notwendigkeit, dass sie bei der Eheschließung „alle ihre Rechte abtrete“[2]. Diese Argumentation funktioniert nun nicht schlicht so, dass die passive Rolle der Frau beim Sex in eine passive soziale Rolle übersetzt würde. Vielmehr meint Fichte, dass die passive sexuelle Rolle der Frau ihrer vernünftigen, aktiven Menschlichkeit erst einmal widerspricht. Dieser Widerspruch werde durch die patriarchale Ehe insofern gelöst, dass sich die Frau bei der Eheschließung aktiv für ihre Unterwerfung entscheide.

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25 Mai

Was ist eigentlich feministische Philosophie?

Von Hilkje C. Hänel (Potsdam)


Feministische Philosophie ist mittlerweile auch in Deutschland auf dem besten Weg, eine eigene anerkannte Forschungsrichtung in der Philosophie zu werden. Wo man sich als feministische Philosophin noch vor wenigen Jahren mit der Frage konfrontiert sah, ob Feministische Philosophie überhaupt Philosophie sei, sieht man sich heute „nur“ noch mit der Frage konfrontiert, was Feministische Philosophie eigentlich ist. Wenn man, wie ich, sich über viele Jahre dafür rechtfertigen musste, überhaupt Feministische Philosophie zu betreiben, wenn man sich also wieder und wieder mit der Annahme konfrontiert sah, dass Feministische Philosophie gar keine Philosophie ist, dann stößt allerdings auch die Frage, was Feministische Philosophie eigentlich ist, auf Unbehagen. Wir fragen ja schließlich auch nicht, was Logik eigentlich ist? Oder Sprachphilosophie? Oder Moralphilosophie? Tatsächlich gibt es aber einen großen Unterschied zwischen der Frage, ob Feministische Philosophie überhaupt Philosophie ist, und der Frage, was Feministische Philosophie eigentlich ist. Und während die erste Frage keinerlei Berechtigung hat, sollten wir – auch oder gerade als feministische Philosoph*innen – uns mit der zweiten Frage beschäftigen. Denn, wenn wir mal ehrlich sind, so ganz einfach ist eine Antwort nicht zu finden. Was also ist Feministische Philosophie? Und wie steht Feministische Philosophie in Relation zu anderer Philosophie?

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13 Mai

Frauen und der biotechnologische Fortschritt: Philosophische Aspekte künstlicher Befruchtung aus altersethischer Perspektive

Von Esther Redolfi Widmann


Die Philosophin Simone de Beauvoir (*1908; †1986) hat in Das andere Geschlecht[1] (1949)und Das Alter[2] (1970) die Situation der Frau luzide analysiert. Sie war damit nicht nur ihrer Zeit weit voraus, sondern ist in ihrem Denken gerade heute wieder verblüffend aktuell.Die Entwicklung ihrer philosophischen Thesen lässt sich in Anlehnung an zahlreiche sozialhistorische Umwälzungen ihrer Zeit nachzeichnen. Immer wieder sind neue Versuche einer Interpretation von Beauvoirs Leben und Werk durch feministische «Wellen» und Strömungen ein Indiz dafür, dass die Emanzipation und Gleichberechtigung der Frauen noch lange nicht adäquat verwirklicht ist, und dass Beauvoirs Leben und Werk für diese Entwicklung nach wie vor relevant und wegweisend ist. Denn bis heute sehen sich Frauen einem gesellschaftlichen, und oft auch religiös motivierten moralischen Druck ausgesetzt, insbesondere auch in biologischer Hinsicht. Dieser Druck wirkt heute allerdings auf eine andere, wesentlich subtilere Weise.

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