02 Dez

Warum Ernährung politisch ist. Ethik, Politik und Ernährungskultur

Von Franz-Theo Gottwald (Berlin)


„Essen ist politisch!“ – Diese Aussage des Slow Food-Gründers Carlo Petrini bringt auf den Punkt, dass es trotz aller wirtschaftlich-technologischen Bemühungen und Produktivitätssteigerungen auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen der Welt seit dem 2. Weltkrieg noch nicht gelungen ist, Hunger zu beenden. Im Gegenteil: Hunger nimmt wieder zu. Deshalb müssen die Machtverhältnisse, die mit der Ernährungssicherung einhergehen, verstärkt reflektiert werden. Und dies ist nicht zuletzt eine ethische Frage.

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07 Okt

Tiere ernähren

Von Bernd Ladwig (Berlin)


Jedes Tier muss sich von etwas ernähren, um überleben und gut leben zu können. Wir Menschen machen da keine Ausnahme. Allerdings unterscheidet uns manches von anderen Tieren. Zunächst einmal sind wir Omnivoren: Wir vertragen pflanzliche ebenso wie tierliche Nährstoffe. Sodann sind wir besonders erfinderisch und können Nährstoffe synthetisch herstellen. Vitamin B12 zum Beispiel ist in Pflanzen kaum enthalten, aber wir gewinnen es biotechnologisch aus Bakterienkolonien, was uns eine vegane Lebensweise erlaubt. Und schließlich sind wir zur Reflexion fähig und darum für unser Handeln normativ zuständig. Eine Bratwurst mag noch so verlockend duften, wir können ihr dennoch widerstehen, wenn wir dafür gute Gründe zu haben glauben.

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26 Aug

Wen oder was sollten wir essen?

Von Johann S. Ach (Münster)


Die weltweite Fleischproduktion hat immense negative Folgen: für die Gesundheit der Konsument:innen, für das Klima, mit Blick auf die Ernährung einer weiter wachsenden Weltbevölkerung – und nicht zuletzt für die Tiere, die für den menschlichen Verzehr gezüchtet, gehalten und geschlachtet werden. Als Alternative wird seit einiger Zeit die Entomophagie diskutiert. Darunter versteht man den Verzehr von Insekten, deren Larven und artverwandten Gliederfüßern. Sollten wir also Mehlwürmer, Hausgrillen oder Wüstenheuschrecken essen? Ganz so einfach ist es leider nicht.

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17 Aug

Kann man Bedeutung essen? oder Über Gottfried Kellers Der grüne Heinrich (1855) und den Hecht

Von Jennifer Zimmermann (Berlin)


Dass der Akt des Essens wie auch die Wahl der Speisen mehr und anderes beinhaltet als die reine Ernährungsfunktion, dass auch „die Küche einen Geist“ und „der Geist eine Küche“ hat, soll anhand von Gottfried Kellers realistischem Roman aufgezeigt werden. Ausgehend von der berühmten These des Philosophen Ludwig Feuerbach: „Der Mensch ist, was er isst“, wird folgend die unauflösbare Liaison von Essen, Trinken und (nicht nur, aber v.a. religiös besetzter) Bedeutsamkeit diskutiert.

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03 Aug

Die Rolle der Ernährung im menschlichen Leben

Von Ursula Wolf (Mannheim)


Dass wir essen und trinken, ist lebensnotwendig. Weil das so ist, hat die Natur uns mit Begierden ausgestattet, die auf einen Mangel an Flüssigkeit und Nahrung hinweisen, und mit Lustgefühlen, die mit der Auffüllung des Mangels einhergehen. Die klassischen griechischen Philosophen haben diese Art des Begehrens und der Lust abgewertet, weil eine solche sinnliche Lust auch bei Tieren vorkommt und daher nicht zu dem gehören kann, was ein gutes menschliches Leben ausmacht. Platon argumentiert, das Gute und die Lust müssten zweierlei sein, weil das Gute nicht mit Schlechtem gemischt sein kann, sinnliche Lust aber immer mit Unlust gemischt ist, da die Unlust-Empfindung des Mangels und die Auffüllungslust gleichzeitig erfahren werden. Ähnlich scheidet Aristoteles das Leben des sinnlichen Genusses aus den Kandidaten für ein gutes menschliches Leben aus, weil wir es mit Tieren teilen, während es beim Menschen nur mit einer Vorbedingung des guten Lebens, der körperlichen Gesundheit, zu tun hat. Die Befriedigung der sinnlichen Bedürfnisse ist mit der Tugend der Mäßigkeit vorzunehmen, d.h. so weit, wie es für ein gutes Leben notwendig ist. Das gute Leben für den Menschen beginnt seiner Auffassung nach dort, wo solche lebensnotwendigen Voraussetzungen (zu denen nicht nur die Nahrung gehört, sondern alle materiellen Lebensbedingungen) gegeben sind und die Menschen ungestört durch Mangelempfindungen und Begierden ihr Leben in vernunftgeleiteten Tätigkeiten aktualisieren können, die nun nicht sinnliche Lust bewirken, sondern unbehinderte, frei vollzogene in sich selbst lustvoll sind.

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