18 Okt

Die Philosophiezeitschrift Narthex bittet um Unterstützung

von der Narthex-Radaktion

Wie schon zu vor über einem Jahr die Narthex 4, will sich die Narthex 5 teilweise durch eine Crowdfundingkampagne finanzieren. Zum Thema „Personale Authentizität“ wurde ein wie gewohnt buntes, anregendes und tiefschürfendes Heft produziert. Doch es gilt wie stets im Leben unter den gegebenen gesellschaftlichen Umständen: Ohne Bares nichts Wahres.

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17 Okt

Das Nichtwissen und die Philosophie. Einleitung in den Themenschwerpunkt „Nichtwissen“

von Andrea Klonschinski (Kiel) und Tim Kraft (Regensburg)


Im Lexikon des Unwissens von Katrin Passig und Aleks Scholz, das es 2007 auf die Bestsellerlisten schaffte und in dem die Autor*innen von Kugelblitzen über das Schnurren der Katzen bis zu dunkler Materie allerhand Themen aufdecken, über die wir erstaunlich wenig wissen, erfahren wir zu Beginn folgendes: „Das Lexikon des Unwissens ist das erste Buch, nach dessen Lektüre man weniger weiß als zuvor – das aber auf hohem Niveau“ (2007: 7). Nichtwissen durch Wissen? Nichtwissen auf unterschiedlichem Niveau? Was geht hier vor sich? Warum lesen wir so ein Buch überhaupt?

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15 Okt

Was kann man mit Nietzsches Philosophie politisch anfangen?

von Hans-Martin Schönherr-Mann (München)


Fridays for Future stiehlt den rechten Populisten gerade die Show. Greta Thunberg erhält explizit für ihr zivilgesellschaftliches Engagement den alternativen Nobelpreis. Altlinke wie Slavoj Žižek, Nancy Fraser, Paul Mason, Wolfgang Streeck oder Eva Illouz hadern mit den Emanzipationsbewegungen der letzten 50 Jahre, denen sie Kollaboration mit dem Neoliberalismus vorwerfen, applaudieren gar ein wenig den Nationalisten oder kehren in traditionelle Lebensformen ein. Die Rechtspopulisten möchten vor die Kennedy-Ära zurück oder Rot-Grün beerdigen – wahrscheinlich im Sinne des Wortes.

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10 Okt

Human-Animal Studies: Wege zu einer tiersensiblen Forschung

von Gabriela Kompatscher-Gufler (Innsbruck)


Dass die Wissenschaft sich mit Tieren beschäftigt, ist nicht neu: Aristoteles setzt sich naturwissenschaftlich und philosophisch mit nichtmenschlichen Tieren auseinander, Antonios von Berytos veterinärmedizinisch, Columella landwirtschaftlich, Plutarch moralisch, Isidor von Sevilla enzyklopädisch – Zugänge, die in Mittelalter und Neuzeit weiterentwickelt und durch neue ergänzt wurden: psychologische, ethologische, evolutionsbiologisch, juristische, genetische, literarische, sprachliche, feministische, kulturwissenschaftliche usw.

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08 Okt

Wie egoistisch ist der Mensch? Gottfried Wilhelm Leibniz über Eigennutz, Motivation und Nächstenliebe

Von Julia Borcherding (Cambridge) und Julia Jorati (Amherst)

Kann der Mensch völlig selbstlos handeln? Manche bezweifeln das und behaupten, alle unsere Handlungen und Entscheidungen seien letzten Endes eigennützig. Wenn jemand zum Beispiel Geld spende oder anderen Menschen helfe, tue er das hauptsächlich für das gute Gefühl, das es ihm bringt—oder gegen das eigene schlechte Gewissen. Vielleicht ist reine Selbstlosigkeit für uns sogar psychologisch unmöglich: Wir können nur das tun, was letztlich in unserem eigenen Interesse zu sein scheint. Diese These wird oft „psychologischer Egoismus“ genannt. Wenn sie wahr ist, kann das beträchtliche Auswirkungen auf die Ethik haben. Wäre es zum Beispiel gerecht, jemanden für eine eigennützige Handlung moralisch verantwortlich zu halten, wenn es tatsächlich psychologisch unmöglich ist, selbstlos zu handeln? Und könnten wir dann überhaupt noch sagen, dass wir manchmal moralisch verpflichtet sind, für das Wohl anderer zu handeln?

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03 Okt

Ist es moralisch relevant, ein Kind zu sein?

Anlässlich der Veröffentlichung des Handbuch Philosophie der Kindheit (J.B. Metzler 2019) bringt praefaktisch Texte zur Philosophie der Kindheit.


von Johannes Giesinger (Zürich)


Im alltäglichen moralischen Diskurs wird bisweilen angemahnt, jemand solle nicht so hart angegangen werden, „weil er noch ein Kind sei“. Der gleiche Grund wird teils angegeben, um paternalistische und pädagogische Eingriffe in das Leben von Personen zu rechtfertigen. Erwachsene verbitten es sich entsprechend, „wie Kinder behandelt zu werden“. Oftmals wird auch gefordert, man solle „Kinder Kind sein lassen“.

Es ist unklar, ob sich Aussagen wie diese in den ethischen Diskurs übersetzen lassen. Die ethische Standardauffassung ist, dass die Zugehörigkeit zu einer Altersgruppe für sich genommen moralisch irrelevant ist – was zählt, sind die Eigenschaften oder Fähigkeiten der Person. Das Setzen von Altersgrenzen ist demnach allenfalls aus pragmatischen Gründen gerechtfertigt, und nicht weil das Alter einen moralischen Unterschied macht.

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01 Okt

Können Menschen Liebe machen? Eine inklusive Perspektive auf Liebe, Freundschaft und Sex mit nichtmenschlichen Wesen

Von Janina Loh (Wien)

Vor einiger Zeit traf ich in einem Bus in Berlin auf eine alte Frau, die offenkundig ohne Begleitung war. Sie hatte eine kleine Wunde am Bein. Nachdem ich ihr vom Busfahrer ein Pflaster besorgt hatte, fragte ich sie, wohin sie wolle und ob ich ihr vielleicht behilflich sein könne. Die Antwort, die sie mir mit einem müden Lächeln gab, verblüffte mich: Ihr gehe es gut, bedankte sie sich, sie wolle nirgendwo hin. Sie fahre jeden Tag Bus, nur, um unter Leuten zu sein, denn sonst wäre sie ganz allein. Diese Begegnung liegt nun mehrere Jahre zurück, doch immer wieder kehre ich in Gedanken zu ihr zurück.

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26 Sep

Der Mythos von der sexuellen Überwältigung

von Almut Kristine von Wedelstaedt (Bielefeld)


Sex hat oft mit einem Kontrollverlust zu tun hat. Es fühlt sich manchmal so an, als würde man von sexueller Lust überwältigt, so dass man sich dieser nur ergeben kann. Das ist einerseits etwas, was Sex schön machen kann. Es ermöglicht einer unter Umständen, loszulassen, sich zu entspannen, alles andere zu vergessen, vielleicht auch sich im eigenen Körper ganz Zuhause zu fühlen. Es ist andererseits auch etwas, das Sex gefährlich machen kann. Wer die Kontrolle verliert, kann leichter verletzt werden, auf andere Arten verletzt werden, als jemand, der aufmerksam ist und alles im Blick hat. Nicht ohne Grund sind vermutlich manche der in diesem Zusammenhang genutzten Metaphern kriegerische („überwältigen“, „sich ergeben“).

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24 Sep

Philosophie und Geschichte der Philosophie. Überlegungen zu einer “philosophischen” Geschichte der Philosophie

Von Laura M. Castelli (München)

In dem Dialog, der das letzte Gespräch von Sokrates im Kreise seiner engsten Freunde vor seinem Tod darstellt, skizziert Platon eine Art philosophische Biographie von Sokrates selbst: nach seiner jugendlichen Begeisterung für die „Weisheit“ (sophia), „welche man die Naturkunde (peri physeos historian) nennt“, und nach der Enttäuschung über die grundsätzlich mechanistischen Erklärungen, die er bei den Naturforschern findet, trifft Sokrates eine Entscheidung von großer Tragweite – für Sokrates selbst und für die Philosophie und ihre Geschichte. Seinem ursprünglichen Interesse für eine Ursache oder einen Grund (aitia) dafür, dass die Welt und die Sachen darin so sind, wie sie sind, geht er nach, ohne direkt nach einer solchen Ursache oder nach einem solchen Grund zu fragen: „sondern mich dünkt, ich müsse zu den Gedanken (logoi) meine Zuflucht nehmen, und in diesen das wahre Wesen der Dinge anzuschauen. […] und indem ich jedesmal den Gedanken zum Grunde lege, den ich für den stärksten halte: so setze ich, was mir scheint mit diesem übereinzustimmen, als wahr, es mag nun von Ursachen die Rede sein oder von was nur sonst, was aber nicht, als nicht wahr“ (Phaidon, 99e-100a; Schleiermachers Übersetzung). Das griechische Wort, dass hier mit „Gedanke“ übersetzt wird, logos, ist bekanntermaßen schwer zu übersetzen; auf Englisch wird es häufig mit „account“ übersetzt, wobei der englische Ausdruck die gewisse Unbestimmtheit des griechischen Ausdrucks widerspiegelt. Die Beschreibung des Verfahrens im platonischen Text verdeutlicht die Natur der sokratischen Entscheidung: bei der Suche nach einem letzten Grund und Prinzip der Dinge werden Thesen und Gedanken auf Konsistenz mit den jeweils stärksten Hypothesen geprüft; diese Prüfung wird mittels Argumente durchgeführt.  

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19 Sep

Erziehung zum Wutbürger?

von Douglas Yacek & Yannik Hehemann (Hannover)


Ein wütend beleidigender Twitter-Präsident, ein zorniger Mob, der die Rede eines rechten Provokateurs mit Molotowcocktails zu verhindern sucht, Alternativrealitäten in sozialen Medien, Fackelzüge in deutschen Städten, Pussy Riot, tief entlang Parteilinien gespaltene Medienlandschaften in den USA, ein bis zur Dysfunktionalität zerstrittenes Unterhaus in Großbritannien und aggressive rechte Sammlungsbewegungen im Herzen Europas.

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