02 Dez

Warum Ernährung politisch ist. Ethik, Politik und Ernährungskultur

Von Franz-Theo Gottwald (Berlin)


„Essen ist politisch!“ – Diese Aussage des Slow Food-Gründers Carlo Petrini bringt auf den Punkt, dass es trotz aller wirtschaftlich-technologischen Bemühungen und Produktivitätssteigerungen auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen der Welt seit dem 2. Weltkrieg noch nicht gelungen ist, Hunger zu beenden. Im Gegenteil: Hunger nimmt wieder zu. Deshalb müssen die Machtverhältnisse, die mit der Ernährungssicherung einhergehen, verstärkt reflektiert werden. Und dies ist nicht zuletzt eine ethische Frage.

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30 Nov

Warum ein demokratischer Rechtsstaat Armut nicht tolerieren darf

Dieser Blogbeitrag bezieht sich auf einen ausführlichen Beitrag im neuen Handbuch Philosophie und Armut, welches im April 2021 bei J.B. Metzler erschienen ist.


von Eva Maria Maier (Wien)


Einleitung: Armut und Pandemie

Gerade die aktuelle Krise illustriert eindringlich, dass wachsende Armut und Arbeitslosigkeit nicht nur ökonomische Wachstumsraten gefährden, sondern selbst die demokratische Kultur etablierter Rechtsstaaten vor gravierende Herausforderungen stellen. Vor allem rückt die Pandemie-Ausnahmesituation neue Armutsfallen und neue Formen der sozialen Exklusion in den Fokus staatlicher Verantwortung. Generell müssen Armutsbekämpfung und soziale Sicherheit als genuine Aufgaben demokratischer Rechtsstaatlichkeit begriffen werden. Insbesondere sind Armut und Ausgrenzung mit dem fundamentalen Prinzip der Menschenwürde unvereinbar.

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25 Nov

Die Rechte der Natur im deutschen Feuilleton. Eine Presseschau

von Stefan Knauß, Andreas Gutmann, Jula Zenetti, Klaus Bosselmann


Rechte der Natur sind im Feuilleton angekommen. Die ZEIT schlägt vor, “den Hambacher Wald und das Lichtenmoor zu Rechtspersonen [zu] machen.” Die Süddeutsche legt dar, warum es lohnt, die Idee von Rechten der Natur “auch hier ernst zu nehmen.” Auch die FAZ weist auf den Bedeutungszuwachs der Rechte der Natur (RdN) hin. Allein die Kritik an diesen Rechten wiederholt oft Plattitüden der frühen 90er Jahre, die kaum mehr der ausdifferenzierten Theoriedebatte gerecht werden.  

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23 Nov

Uninformed Non-Consent: Widerspricht eine Impfpflicht dem Autonomieprinzip?

von Daniel Lucas (Marburg)


In Deutschland wird aktuell wieder über eine Impfpflicht – in medizinischen Berufen im Besonderen, aber auch im Allgemeinen – diskutiert. Grund dafür ist die niedrige Impfquote und die damit einhergehende Gewalt, mit welcher die vierte Corona-Welle auf die Bundesrepublik trifft. Während insbesondere der Schutz Dritter als Argument angeführt wird, lässt sich aber durchaus auch damit argumentieren, dass eine Impfpflicht zum Wohle der bisher Ungeimpften ist.

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18 Nov

Macht es Sinn, von gemeinsamer Verantwortung für Weltarmut zu sprechen?

Dieser Blogbeitrag bezieht sich auf einen ausführlichen Beitrag im neuen Handbuch Philosophie und Armut, welches im April 2021 bei J.B. Metzler erschienen ist.


von Anne Schwenkenbecher (Murdoch University, Perth)


Wer regelmäßig Nachrichten aus dem eigenen Land und der Welt verfolgt, wird nicht umhin können, sich die Fragen zu stellen, ob man mehr tun kann und sollte, um anderen zu helfen. Wir erkennen allgemein an, dass wir eine gewisse Verantwortung für das Wohlergehen anderer haben. Während man als Einzelner angesichts von komplexen und weitreichenden Problemen wenig ausrichtet, sind wir uns zunehmend bewusst, dass kollektives Handeln äußerst erfolgreich sein kann. Gemeinsam mit anderen können wir oft Dinge erreichen, die allein unmöglich sind. Folgt daraus eine gemeinsame Verantwortung für derartige Probleme?

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16 Nov

Über den Begriff der Schreibform bei Ludwig Wittgenstein

Von Marcus Döller (Erfurt)


In einem flüchtigen Notat aus seinen privaten Denktagebüchern gibt Wittgenstein Auskunft über den Begriff der „Schreibform“. Mit dem Begriff der „Schreibform“ gibt Wittgenstein Aufschluss über die Grundform seines Denkens. Die Weise philosophischen Denkens, die Wittgenstein vollzieht, gibt es nur im Schreiben und nur als Schreiben. Denken und Schreiben fallen in eines. Im Schreiben aber wird das Gedachte von innen her transformiert und konstituiert. Es gibt also keinen Gedanken vor dem Schreiben, der für den Vollzug des Denkens im Schreiben bedeutsam wäre, sondern erst im Schreiben als eine Vollzugsform des Denkens bringt sich der Gedanke selbst hervor. Wittgensteins Formulierung dafür ist, dass wir nur fähig sind aufzuschreiben, was „in der Schreibform in uns entsteht“. Damit muss zweierlei verstanden werden: erstens, was es heißt, etwas aufschreiben zu können und zweitens, was es heißt, dass Gedanken in uns entstehen: Was heißt es etwas zu können und was heißt es in diesem Können etwas in uns entstehen zu lassen? Beides, die Fähigkeit schreiben zu können und in der Form des Schreibens das Schreiben von innen her zu verändern, hängen konstitutiv zusammen.

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09 Nov

Simone de Beauvoir: Eine Feministische Phänomenologie der Schwangerschaft

Von Isabella Marcinski (Göttingen)


Das Phänomen der Schwangerschaft wurde noch keiner umfassenden philosophischen Reflexion unterzogen. Zahlreiche Aspekte bilden somit Desiderate philosophischer Forschung. Die bisher vorliegenden Untersuchungen konzentrieren sich auf ethische Fragestellungen bezüglich der Reproduktionsmedizin und reproduktiver Entscheidungen. Selbst in der feministischen Philosophie ist das Phänomen der Schwangerschaft lediglich als Randthema präsent. Die feministische Phänomenologie hingegen bietet vielfältige Überlegungen, die den Anspruch verfolgen, die subjektive Erfahrung in der Schwangerschaft zu beschreiben. Hierzu zählen Autorinnen wie Simone de Beauvoir, Iris Marion Young, Sara Heinämaa und Tanja Staehler.

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02 Nov

Videos: Online Diskussion: Philosophie und Armut – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft?

Am 6. Oktober 2021 fand die online Diskussion “Philosophie und Armut – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft?” statt. Es diskutierten Anke Graneß (Hildesheim), Christoph Henning (Erfurt), Ina Schildbach (OTH Regensburg) und Anne Schwenkenbecher (Murdoch). Die Statements zum Podium sind hier als Videos dokumentiert.

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28 Okt

Wittgensteins Denken erkunden und entdecken

Von Wilhelm Vossenkuhl (München)


Vor 70 Jahren starb Ludwig Wittgenstein. Dies ist ein Anlass, aber noch kein Grund sich mit seinem Denken zu beschäftigen. Der wahre Grund ist unabhängig vom Todesdatum sein Denken. Dessen Bedeutung, Tiefgang und Reichweite wieder und neu zu entdecken, ist lohnend, wird aber von allerlei Vorurteilen und Stereotypen behindert. Ein Vorurteil ist die stereotype Trennung zwischen Frühwerk (Tractatus) und Spätwerk (Philosophische Untersuchungen), ein anderes ist die Unterstellung, er habe im Ansatz eine Theorie sprachlicher Bedeutung entwickelt, ohne sie im Einzelnen ausgeführt und vollendet zu haben. Das liege auch daran, dass seine Texte aphoristisch und unsystematisch seien.

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21 Okt

Bias, Sprachassistent*innen und humans in the loop: für eine kritische Ethik Künstlicher Intelligenz

Von Julia Maria Mönig (Bonn)


Technologieethik, genauer gesagt „KI-Ethik“, ist derzeit in aller Munde. Warum es wichtig ist,  die Kategorie „Geschlecht“ dabei zu bedenken, und einen feministischen Blick auf KI zu werfen, zeigen die folgenden Beispiele.

Technologie ist nie wertneutral. In die Technikgestaltung fließen immer bereits Werte, Designvorstellungen, Absichten, Verwendungszwecke und Ziele ein. Dies ist auch − und insbesondere −  bei digitalen Technologien und im Internet der Fall, wenngleich es in den 1990er Jahren die Wunschvorstellung gab, der „Cyberspace“ solle ein herrschaftsfreier Raum sein, in dem alle gleich seien.

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