14 Okt

Videoblog-Wettbewerb für Student*innen: Darf man heute noch Kinder haben?

Fast alle Menschen haben im Laufe ihres Lebens Kinder. Für viele gehören eigene Kinder zu einem erfüllten Leben. Doch ist es angesichts einer immer weiterwachsenden Weltbevölkerung, die immer mehr Ressourcen verbraucht, und der Auswirkungen der Klimakrise heute überhaupt noch moralisch vertretbar, Kinder zu haben? Und wenn es besser wäre, weniger oder gar keine Kinder zu bekommen, wie dürfen wir die Menschen dazu bringen, sich daran zu halten?

Der Philosophieblog praefaktisch.de sucht die besten Antworten auf diese Fragen in Form philosophischer Videoblogs. Wenn Du Lust hast, mitzumachen, dann schicke Dein Video mit einer Länge von max. fünf Minuten bis 31. Dezember 2020 an blog@praefaktisch.de. Große Dateien können einfach über WeTransfer oder einen ähnlichen Dienst verschickt werden. Oder Du gibst uns das Video über Google Drive oder Dropbox frei. Bitte schick ein paar Zeilen über Dich und wo Du studierst mit.

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13 Aug

Engagiert und hoffnungslos: Philosophieren am Ende der Welt (wie wir sie kennen)

Von Ana Honnacker (Forschungsinstitut für Philosophie Hannover)


Im Sommer 2019 saß ich schwitzend am Schreibtisch und zweifelte zunehmend die Sinnhaftigkeit meines Tuns an. Die Aussicht darauf, ein mehrjähriges Schreibprojekt zu verfolgen, während das Zeitbudget, das der globalen menschlichen Gemeinschaft bleibt, um ihre Treibhausgasemissionen auf Null zu bringen, ähnlich rasant dahinschmilzt wie der Grönländische Eisschild, befremdete mich zusehends. Ein Buch auf den Weg zu bringen, zumal ein akademisch-philosophisches, dessen gesamtgesellschaftlicher Wirkungsgrad eingestandenermaßen gering sein würde, schien an geradezu lachhafter Weltferne nicht zu überbieten.

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11 Jul

Ausnahmezustand und Verfassung: Sind die Corona-Demonstranten die wahren Verfassungspatrioten?

Von Lena Güldner (München)

„Wir sind das Volk.“ Dieser altbekannte Schlachtruf ertönt seit Kurzem wieder häufig in Deutschland und zwar im Zusammenhang mit Demonstrationen gegen die gegenwärtigen Maßnahmen zur Eindämmung von Corona. „Wir sind das Volk“: ein Ausruf, der durch seine historische Bezugnahme auf die Montagsdemonstrationen in der DDR gleichsam eine gerechte Auflehnung gegen den totalitären Unterdrückungsstaat, eine demokratische Bewegung als Bekenntnis und Kampf zu liberalen Freiheitsrechten impliziert. Das ist es auch, was sich viele Teilnehmer*innen der Protestbewegungen zumindest offiziell auf die Fahne schreiben. So heißt es auf dem YouTube Kanal der Initiative Querdenken 711Wir sind für das Grundgesetz“ und auch die Vereinigung Demokratischer Widerstand titelt auf ihrer Webseite: „Demokratischer Widerstand für Verfassung, Grundrechte & transparente Gestaltung der neuen Wirtschaftsregeln durch die Menschen selbst“. Es scheint sich um besorgte Bürger*innen zu handeln, die Prinzipien des Grundgesetzes verletzt sehen und sich in ihren Bürgerrechten unrechtmäßig eingeschränkt fühlen. Doch spätestens seit den Pegida-Demonstrationen ab Oktober 2014 ist „Wir sind das Volk“ nicht mehr ausschließlich positiv konnotiert. Denn dort nutzten Extremist*innen diese Parole, um unter dem Deckmantel der Demokratie ihre rechte Propaganda zu verbreiten. Dass dies auch bei den bei den aktuellen Demonstrationen gegen die Anti-Corona-Maßnahmen der Fall ist, scheint durchaus eine Möglichkeit. Nun stellt sich die Frage, ob und inwiefern sich sich die Demonstrationen mit einer verfassungspatriotischen Grundhaltung rechtfertigen lassen: Wären wir als wahre Verfassungspatrioten vielleicht sogar gezwungen, im Angesicht massiver Grundrechtsbeschränkungen aufgrund von Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 unsere demokratischen Prinzipien und Bürgerrechte aktiv zu verteidigen? Oder, anders gefragt: Unter welchen Bedingungen dürfen wir aus einer verfassungspatriotischen Gesinnung heraus gegen die Einschränkungen demonstrieren? Ich werde im Folgenden zunächst den Begriff Verfassungspatriotismus kurz darlegen, anschließend über die Legitimität von Demonstrationen sprechen und zuletzt zwei Kriterien skizzieren, wann die aktuellen Proteste als verfassungspatriotisch gelten können.

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06 Jul

Bildung und Erziehung im Ausnahmezustand. Was kann philosophische Reflexion im Rahmen der COVID-19-Pandemie leisten?

Von Johannes Drerup (TU Dortmund/VU Amsterdam) und Gottfried Schweiger (Salzburg)


Die COVID-19-Pandemie hat unseren Alltag innerhalb kürzester Zeit auf den Kopf gestellt. Das soziale und wirtschaftliche Leben wurde für einige Wochen auf ein Minimum reduziert, Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen und Hochschulen wurden geschlossen. Die Familie ist dadurch (wieder) zum zentralen Lern- und Lehrort geworden, zum räumlichen Mittelpunkt des beruflichen und sozialen Lebens vieler Menschen. Das stellt Familien und die Bildungseinrichtungen vor besondere Herausforderungen. Eltern mussten Homeschooling, Kinderbetreuung und Home Office unter einen Hut bringen.[i] Von der Hilfe durch Großeltern und andere Verwandte, die nicht im selben Haushalt wohnen, wurde mit guten Gründen abgeraten. Die größte Last dieser Umstellungen hatten Frauen, insbesondere Mütter, zu tragen. Lehrer*innen standen unter dem Druck, oft ohne medientechnologische Ausbildung und ohne Vorlaufzeit Lernmaterialen neu zu planen und zur Verfügung zu stellen. Die technischen Mittel dafür sind aber nicht in allen Schulen und auch nicht in allen Familien ausreichend vorhanden. Es ist daher zu erwarten, dass ohnehin schon bestehende Bildungsungleichheiten sich als eine Folge der COVID-19 Pandemie vergrößern und verfestigen. Die Situation in manchen Familien war und ist prekär. Eltern wurden arbeitslos oder in Kurzarbeit geschickt und kämpfen nun mit Zukunftsängsten. Gewalt gegen Frauen und Kinder, so eine gängige und plausible Annahme, nimmt in Familien zu und das in einer Zeit, wo der Kontakt zu Vertrauenspersonen, Sozialarbeiter*innen und Lehrer*innen reduziert oder gänzlich eingestellt wurde.

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05 Jul

Plurale Wahrheit mit menschlichem Antlitz

In Krisenzeiten wie in der gegenwärtigen Corona-Pandemie nimmt der Mensch die Welt als besonders kontingent wahr. Das Virus ist unberechenbar. Dies weckt Sehnsucht nach klaren Parametern des Wissens, es muss aber gleichzeitig ein Umgang mit dem Nichtwissen gefunden werden. Als Orientierungshilfe hilft eine pragmatische Perspektive. – Ein philosophischer Versuch.

Von Richard Blättel

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27 Jun

„Was mache ich hier überhaupt?“ Experimentelle Philosophie zwischen Lehnstuhl und Labor

Von Alexander Max Bauer (Oldenburg)

„Was mache ich hier überhaupt?“ ist eine Frage, die ich mir in den letzten Jahren häufiger gestellt habe. Im Grundstudium hatte ich neben Philosophie auch Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftsdidaktik studiert. Im Master – hatte ich beschlossen – sollte es nur noch Philosophie sein. Es war dann mehr ein Zufall, dass es mich als Hilfskraft in eine Forschergruppe gezogen hat, in der sich neben Philosoph*innen auch Psycholog*innen, Soziolog*innen, Politikwissenschaftler*innen und Wirtschaftswissenschaftler*innen mit Fragen der Bedarfsgerechtigkeit auseinandersetzen. Diese Auseinandersetzung findet natürlich auf theoretischer Ebene statt, ebenso aber auch auf experimenteller, und ihr erklärtes Ziel ist eine Synthese aus beidem. So kam es, dass ich – irgendwann nicht mehr als Hilfskraft, sondern als Doktorand – wieder an die Methoden, die ich mit dem Grundstudium hinter mir zu lassen geglaubt hatte, anknüpfte. Ehe ich mich versah, fand ich mich selbst als Experimentator in sozialwissenschaftlichen Laboren wieder. Zu Anfang hatte ich nicht so recht einen Namen für das, was ich hier tat. Ich konnte es nicht in die philosophischen Schubladen einordnen, die ich bis dahin kannte. Erst später erfuhr ich, dass es dafür auch eine Bezeichnung gibt. Man nennt es „Experimentelle Philosophie“.

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20 Jun

Die Not-Wende. Denken in der Krisis

Von Gabriel Valladão Silva (Berlin)

Das Denken fühlt sich von der Krisis dazu genötigt, rasch zu urteilen. Die gegenwärtige Zeit ist eine solche, in der sich die Zeit von Krisis zu Krisis verkürzt. Sie ist eine überraschende Zeit für das Denken. Das über-raschte Denken denkt notgedrungen und urteilt vorschnell. Sein Urteil ist ein unbedachtes Vorurteil, das unmittelbar aus dem Gefühl der Entrüstung verurteilt. Das entrüstete Verurteilen steht dem Denken aber ganz und gar nicht. Nietzsche behauptet, die Entrüstung sei sogar das unfehlbare Zeichen der Abwesenheit des eigentlich philosophischen Humors. Er bezeichnet sie als „die perfideste Art der Rache“.

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19 Jun

Ragnarök

In Kooperation mit der Zeitschrift Avenue verlinken wir auf einen Beitrag des Tierphilosophen Markus Wild (Basel). Philosophieren mit Thors Hammer? “Wir schaffen seit Jahren idiotische Kontaktzonen zwischen illegal gehandelten Wildtieren, die wir mit bestialisch gehaltenen Nutztieren zusammenbringen, weil wir uns die natürlichen Lebensräume brutal und hemmungslos vom Nutellaglas in den Schlund stopfen. “

Auf der Webseite der Zeitschrift Avenue kann man mit Markus Wild über seinen Essay diskutieren. Die besten Kommentare werden in der gedruckten Ausgabe von Avenue abgedruckt.